‹ Zurück zur Übersicht
Depositphotos.com | sdecoret | Rechenzentrum Server

© Depositphotos.com | sdecoret | Rechenzentren benötigen enorm viel Kühlwasser.

KI-Boom verschärft Nutzungskonflikte um Wasser

Rechenzentren für künstliche Intelligenz benötigen große Mengen Strom – und viel Wasser zur Kühlung. Ein neuer Bericht warnt vor einem stark wachsenden Ressourcenverbrauch und möglichen Konflikten in Regionen, die bereits unter Wasserknappheit leiden.

Wer in den letzten Tagen seine Klimaanlage angeschaltet, ein leckeres Schinkenbrot verdrückt oder seine Urlaubsflüge gebucht hat, verspürte neben Genuss oder Vorfreude vielleicht auch einen kleinen Stich – die Gewissensbisse, die einen plagen, wenn man als klimabewusste Person gerade den eigenen ökologischen Fußabdruck in die Höhe treibt.

Bei manchen Aktionen, etwa beim Buchen von Flügen, können diese Gewissensbisse die Vorfreude sogar überschatten. Bei anderen Tätigkeiten, etwa beim Aussuchen des Fluganbieters mit Chat-GPT oder Gemini, ist das schlechte Gewissen jedoch weniger präsent. Und das, obwohl schon länger bekannt ist, dass Chatbots gewaltige Mengen an Strom verbrauchen.

Schließlich benötigen die zehntausenden Server, Hochleistungsprozessoren und riesigen Speichereinheiten, auf denen Antworten auf Anfragen wie „Kann ich in Doha zwischenlanden?“ oder „Reiseplan Sri Lanka“ kompliziert ausgeknobelt werden, auch Energie. Für solche und weitere Rechenoperationen verbrauchten Datenzentren im Jahr 2025 weltweit rund 450 Milliarden Kilowattstunden – etwa ein Prozent des globalen Stromverbrauchs.

Und der Stromverbrauch der globalen Rechenzentren könnte in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Eine Steigerung auf fast 950 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2030 erwartet ein neuer Bericht der United Nations University (UNU) mit dem Titel „Environmental Cost of AI’s Energy Use: Carbon, Water and Land Footprints“.

Mit einem solchen Stromverbrauch wäre ein CO2-Fußabdruck der Branche von 400 Millionen Tonnen jährlich verbunden. Zum Vergleich: Die gesamten CO2-Emissionen Deutschlands lagen zuletzt bei rund 575 Millionen Tonnen.

Haushaltswasserbedarf von 1,3 Milliarden Menschen

Und der Stromverbrauch der Rechenzentren verursacht nicht nur Treibhausgase. Jedes bisschen Strom, das man für das Training oder den Betrieb von Chatbots oder anderen KI-Systemen einsetzt, verbraucht auch Wasser.

Denn genau wie der eigene Laptop oder das Handy im Hochbetrieb laufen auch die Server der Rechenzentren heiß. Deswegen werden sie gekühlt, indem riesige Mengen Wasser durch Leitungen in den Datenzentren laufen.

Der Stromverbrauch von Rechenzentren verursachte dem Bericht zufolge im Jahr 2025 weltweit einen Wasser-Fußabdruck von 4.500 Milliarden Litern. 2030 könnte er sogar schon bei bis zu 9.300 Milliarden Litern liegen. Zum Vergleich: Das entspricht dem grundlegenden jährlichen Haushaltswasserbedarf aller 1,3 Milliarden Menschen in Afrika südlich der Sahara.

Dabei halten Fachleute diese Zahlen für bereits veraltet. „Für eine globale Abschätzung ist der Bericht trotzdem hilfreich, wenngleich aus meiner Sicht die Datenbasis nicht dem aktuellen Stand der Forschung entspricht“, bemerkt Wasserexpertin Martina Flörke von der Ruhr-Universität Bochum. Der Grund: Die Autor:innen nutzten teilweise Daten aus dem Jahr 2015.

Zudem unterschieden die Studienautor:innen nicht klar zwischen dem Wasserver- und ‑gebrauch der Rechenzentren. „Wassergebrauch beschreibt die gesamte Menge Wasser, die entnommen, durch ein System geleitet oder in Prozessen eingesetzt wird. Dies ist unabhängig davon, ob das Wasser später zurückgeführt wird“, erläutert Flörke.

„Wasserverbrauch ist hingegen der Anteil des Wassergebrauchs, der verdunstet oder in Produkten enthalten ist. Dieser Anteil wird dem lokalen Wasserkreislauf dauerhaft entzogen“, so die Expertin.

„CO2-arm“ kann auch „wasserintensiv“ bedeuten

Der Fokus auf den sogenannten Wasserfußabdruck von Rechenzentren und Chatbots ist wichtig, heißt es auch im UNU-Bericht. Denn die meisten Untersuchungen zur Nachhaltigkeit von Rechenzentren konzentrieren sich auf deren CO2-Emissionen.

Dadurch werden die aktuellen und zukünftigen Umweltkosten von KI jedoch systematisch falsch gemessen. Denn der CO2‑ und der Wasserfußabdruck der Rechenzentren entwickeln sich nicht in dieselbe Richtung. Während die CO2-Emissionen des Stromverbrauchs der Datenzentren durch den Ausbau erneuerbarer Energien sinken, geht ihr Wasserverbrauch dadurch nicht unbedingt im selben Maß zurück.

Stattdessen kommt der Bericht zu dem Schluss, dass „CO2-arm“ auch „wasserintensiv“ bedeuten kann. Während beispielsweise ein Wechsel von Kohle zu Bioenergie den CO2-Fußabdruck im Schnitt um 70 Prozent senken kann, könnte dies den Wasserfußabdruck um mehr als das 30-Fache steigern.

„Am meisten überrascht hat uns, wie oft die Entscheidungen, die aus CO2-Perspektive am grünsten aussehen, am Ende schlechter für Wasser sind“, sagte Miriam Aczel vom UNU-Institut für Wasser, Umwelt und Gesundheit im kanadischen Hamilton, die Hauptautorin des Berichts.

Die Bewertung der Nachhaltigkeit anhand einer einzigen Kennzahl könne Zielkonflikte verschleiern, warnen die Autor:innen.

Dürren und Wasserknappheit durch Chat-GPT und Co

Zudem könnte eine solche Fehleinschätzung dafür sorgen, dass Rechenzentren in Regionen geplant werden, die bereits unter Wasserstress stehen.

„Bei der Wahl des Standorts für ein Rechenzentrum sollten stattdessen die derzeitige und zukünftige Wasserverfügbarkeit vor Ort sowie die Wasserbedarfe anderer Sektoren in Betracht gezogen werden“, sagt Flörke. Vor allem Trockenheit und Dürreperioden könnten zu möglichen Wassernutzungskonflikten führen.

So greift der Ausbau der Recheninfrastruktur im mexikanischen Bundesstaat Querétaro inmitten anhaltender Dürren auf Wasservorräte zu. Auch in Uruguay fielen Pläne für ein wasserintensives Rechenzentrum mit einer Dürre im Jahr 2023 zusammen, die die Süßwasserreserven der Hauptstadt Montevideo erschöpfte und Leitungswasser untrinkbar machte.

„Ein nachhaltiges Rechenzentrum sollte aber nicht lokal zur Verknappung von Ressourcen beitragen, sondern diese nur so weit nutzen, wie sie natürlich erneuert werden“, fordert der Hydrologe Thorsten Wagener von der Universität Potsdam.

Beachte man den Wasserverbrauch der Rechenzentren genauer, könne dies bei einer ressourcengerechten Planung helfen. „Zudem kann man große Wassermengen über lange Strecken schlecht transportieren. Energie in Form von Strom aber schon“, bemerkt Wagener.

Regierungen sollten KI-Infrastruktur deshalb in Energieplanung, Wasserpolitik und Flächennutzungs-Verfahren integrieren und eine standardisierte Berichterstattung über Umweltfußabdrücke verlangen, wie auch die Autor:innen des Berichts fordern.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Tine Heni) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

Diese Meldung teilen

‹ Zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren