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06.11.2017

Die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele reichen bei weitem nicht

Nach einem Bericht der Unep, des UN-Umweltprogramms, wird die Temperatur bis Ende des Jahrhunderts im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung um mindestens 3 Grad steigen.

Die sowieso unverbindlichen Klimaschutzzusagen der Länder im Rahmen des Klimaabkommen von Paris werden daran nichts Entscheidendes ändern. Mit dem Klimaabkommen wurde angestrebt, dass die Klimaerwärmung maximal um 2 Grad Celsius zunimmt.

Auch wenn alle unverbindlichen und verbindlichen Zusagen eingehalten würden, sei ein Anstieg um mindestens 3 Grad "sehr wahrscheinlich". Bis 2030 würden nämlich wahrscheinlich 11-13,5 Gigatonnen von CO2-Äquivalent zu viel in die Atmosphäre gelangen. Für das 1,5-Grad Ziel wären es sogar 16-19 Gigatonnen zu viel. Und wenn die USA aus dem Klimaabkommen aussteigen sollten, wären die Aussichten noch viel düsterer.

Zwar seien die CO2-Emissionen seit 2014 stabil geblieben, vor allem durch den Ausbau von Erneuerbaren Energien in China und Indien, aber es gäbe andere Gase wie Methan, deren Ausstoß weiter steigt. Zudem könne ein globales Wirtschaftswachstum schnell wieder die Emissionen nach oben treiben. Wichtig seien Investitionen in die Technik, um CO2-Emissionen zu reduzieren: in den Ausbau von Sonnen- und Windenergie, in abgasarme PKWs, Aufforstung und Beendigung der Entwaldung.

"Ein Jahr, nach dem dem das Pariser Klimaabkommen in Kraft getreten ist, befinden wir uns noch in der Situation, nicht annähernd genug zu tun, um Hunderte von Millionen Menschen vor einer schlechten Zukunft zu schützen", mahnte Unep-Direktor Erik Solheim. Wenn man in die richtige Technik investiere und die Privatwirtschaft einbeziehe, könne man das "unseren Kindern gegebene Versprechen, ihre Umwelt zu bewahren", noch einhalten. Nebenbei warnt die Unep gerade, dass die Meere bis 2050 mehr Plastik als Fische enthalten würden, wenn nichts getan wird.

Klimaerwärmung wirkt sich auf Arbeitsproduktivität, die Verbreitung von ansteckenden Krankheiten und Aussetzung an Luftverschmutzung und Hitzewellen aus

Dazu passend erklärt der erste Bericht The Lancet Countdown on Health and Climate Change in der medizinischen Zeitschrift The Lancet, dass zwischen 2000 und 2016 die mit dem Wetter verbundenen Katastrophen, vor allem Stürme und Fluten, um 46 Prozent angestiegen seien. Die Sterblichkeit hat sich allerdings nicht verändert, weswegen die Autoren spekulieren, dass bereits Anpassungsprozesse stattgefunden haben können. Mit dem Bericht sollen jährlich bis 2030 die Erfolge in Bezug auf Gesundheit und Klimawandel im Rahmen des Pariser Klimaabkommens verfolgt werden.

2016 seien 125 Millionen Über-65-Jährige mehr als im Jahr 2000 Hitzewellen ausgesetzt gewesen. Der Trend zeigt weiter nach oben, was auch auf das Bevölkerungswachstum in Indien, Afrika und Teilen Chinas zurückgeführt wird. Im letzten Jahr sei wegen der ansteigenden Temperaturen die Arbeitsproduktivität um 5,3 Prozent gefallen, die ökonomischen Verluste durch Extremwetterereignisse hätten 129 Milliarden US-Dollar betragen. 99 Prozent der ökonomischen Verluste in armen Ländern hätten sich unversichert ereignet.

Schuld daran soll der Klimawandel sein. Hier wird mit dem Klimawandel auch ein Anstieg der Luftverschmutzung verbunden, die seit 1990 um mehr als 11 Prozent angestiegen sei, viele Städte auf der Welt würden die empfohlenen Grenzen der PM2,5-Feinstaubbelastung übersteigen. Emissionen, die bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen, erwärmen nicht nur das Klima, sondern sind auch direkt gesundheitsschädlich.

Die Klimaerwärmung habe Auswirkungen auf die Gesundheit, die Arbeitsproduktivität, die Verbreitung von ansteckenden Krankheiten und die Aussetzung an Luftverschmutzung und Hitzewellen. An dem Bericht haben 24 akademische Institute und NGOs mitgewirkt, darunter die WHO und die WMO.

Die Arbeitsproduktivität sei mit dem Anstieg der Temperaturen in der ländlichen Bevölkerung, die draußen arbeitet, seit 2000 um 5,3 Prozent zurückgegangen. Zudem sei die Zahl der unterernährten Menschen in 30 Ländern Afrikas und Asiens seit 1990 von 398 auf 422 Millionen gestiegen. Das kann mit steigenden Lebensmittelpreisen zu tun haben, die wiederum auf die Klimaerwärmung antworten. So würde ein Temperaturanstieg um 1 Prozent die globale Weizenernte um 6 Prozent und die Reisernte um 10 Prozent verringern.

Die WMO hatte gerade in einem Bericht dargelegt, dass 2016 die Konzentration von CO2, Methan und Distickstoffmonoxid (Lachgas) in der Atmosphäre neue Rekordwerte erreicht hat. Sie liegt 145%, 257% und 122% höher als in den präindustriellen Zeiten vor 1750. Die Rekordzunahme für CO2 von 3,3 ppm von 2015 auf 2016 ist höher als die durchschnittliche Wachstumsrate des letzten Jahrzehnts.

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Quelle   Der Bericht wurde von  von der Redaktion „Telepolis“ (Florian Rötzer) 2017 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von Florian Rötzer 2017) weiterverbreitet werden!     

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