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13.04.2017

Keine neuen Kohlekraftwerke in Europa ab 2020

Es ist der Anfang vom Kohleausstieg: Die europäischen Stromerzeuger werden ab 2020 nicht mehr in neue Kohlekraftwerke investieren, bis 2050 soll die Stromerzeugung zu 100 Prozent CO2-neutral sein. Das gab der Dachverband Eurelectric bekannt.

Die Ankündigung der Union der europäischen Elektrizitätswirtschaft Eurelectric am Mittwoch kam überraschend: Die Mitgliedsunternehmen werden die Verpflichtungen des Pariser Klimaabkommens umsetzen und die Stromerzeugung bis 2050 dekarbonisieren. Außerdem kündigte der Verwaltungsrat des Dachverbands an, die europäischen Stromkonzerne werden ab 2020 nicht mehr in neue Kohlekraftwerke investieren. Es ist der Einstieg in den Kohleausstieg.

Es gibt allerdings zwei Ausnahmen: Die polnischen und griechischen Vertreter der Stromwirtschaft stimmten der Kohleausstiegs-Verpflichtung nicht zu. In beiden Ländern liegt der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung bei etwa 80 Prozent. Bis 2050 wollen aber auch Polen und Griechen 100 Prozent CO2-neutralen Strom erzeugen.

Zwei Projekte in Deutschland auf der Kippe

Eurelectric vertritt 3.500 Stromkonzerne aus ganz Europa, die Beschlüsse des Verwaltungsrats sind bindend, also auch für die deutsche Stromwirtschaft. Damit stehen zwei geplante Kohlekraftwerke auf der Kippe: In Stade bei Hamburg plant der US-Chemiekonzern Dow auf seinem Gelände eine 920-Megawatt-Anlage, die von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden beklagt wird. Da Dow noch keine Baugenehmigung eingereicht hat, dürfte das Kohlekraftwerk nicht vor 2020 fertig werden.

Auch die Erweiterung des RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem westlich von Köln ist fraglich. RWE hatte zuletzt betont, nach den vorliegenden Genehmigungen die Wirtschaftlichkeit des 1.100-Megawatt-Projekts noch einmal zu überprüfen. Bis 2020 wird auch dieses Projekt nicht fertig sein. Halten sich die Energiekonzerne an die Vorgaben ihres Dachverbands aus Brüssel, stehen diese und alle zukünftigen Kohleprojekte vor dem Aus.

Polen plant zehn neue Kohlemeiler

Der globalen Kohlekraftwerks-Karte der Klima-Allianz zufolge, sind in Tschechien vier neue Kohleblöcke im Bau, die voraussichtlich noch vor 2020 ans Netz gehen werden. Jeweils ein Kraftwerk in der Planungsphase befindet sich in Schottland, Ungarn und Bulgarien. Diese Projekte sind wahrscheinlich von der Eurelectric-Verpflichtung betroffen. Polen plant dagegen gleich zehn neue Kohlemeiler, wovon fünf bereits im Bau sind. Im Norden Griechenland sollen zwei neue Kraftwerke entstehen.

Nicht betroffen von der Eurelectric-Ankündigung sind die Balkan-Staaten Serbien, Montenegro und Bosnien und Herzegowina die allesamt neue Kohlekraftwerke planen. In der Türkei sind nach Angaben der Klima-Allianz und der NGO CoalSwarm 79 neue Kohlekraftwerke geplant oder bereits im Bau. 

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Quelle   energiezukunft.eu | cw 2017

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