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18.03.2016

Aufschrei! Wider die erbarmungslose Geldgesellschaft

Ein Buch, zur Hälfte Pamphlet, zur anderen gute Analyse. Zu einem neuen echten Norbert Blüm. Von Rupert Neudeck

Jetzt hat er mit zwei ungewöhnlichen Paukenschlägen wieder auf sich (besser:  auf die anderen) aufmerksam gemacht. Er zog mit einer kleinen Zelthütte nach Idomeni, um den in Kälte und Schlamm ausharrenden Flüchtlingen seine ausdrückliche Solidarität zu bekunden – so wie er das immer wieder im Leben gemacht hatte. Und immer ohne Glamour und Etikette. Wir haben mal 2002 an der afghanisch-tadschikischen Grenze auf dem Boden gepennt. Auf dem Boden?

Klar, wo sonst in solchen Verhältnissen. Er war immer jemand, der deutsche Politik heilsam aufgemischt hatte, so jetzt auch mit diesem „Aufschrei“. Der alte Rebell war ja nie einer von der konventionellen Sorte. Er war Werkezugmacher bei Opel und machte über den zweiten Bildungsweg sogar die ersten Lehrgänge katholischer Theologie mit.

Für Blüm war das Rebell sein und das an die Bergpredigt Glauben und das Samaritergleichnis nie etwas Getrenntes. Das verstanden damals wie heute wenige, nicht mal in seiner Partei. Nun ist dieses schmale Bändchen erst mal deshalb so sensationell, weil der 80jährige Blüm schreibt/redet wie unsere Enkelkinder: Klar, direkt, keine Schmonzetten. Man versteht ihn einfach besser. Das war ja auch immer schon der wichtigere Teil der Popularität von Blüm, die er – wie kaum ein anderer Politiker in Deutschland – genoss: Er konnte reden wie ihm das Maul gewachsen war.

„Uns interessiert, welches Filmsternchen mit wem vorgestern das Bett geteilt hat, was die Geissens mit ihren Millionen treiben und von wem das Kind des Doku Soap Busenwunders Daniela Katzenberger ist.“ Das sei unsere Mordsgaudi. „Die Mordgeschäfte gehen uns am Arsch vorbei.“ Das wütendste Kapitel ist gleich am Anfang über die Waffen und wie wir den Export unterbinden sollten. Das schaffen wir aber nur, wenn wir eine Ausnahme vom globalen Gesetz des Adam Smith machen und die Waffenindustrie in ihrer Produktion national wie international ver-staatlichen, dass heißt nicht mehr wie die Firmen wie die Löwen auf die Internationalen Waffenmärkte losgelassen werden. Sie produzieren nur so viel, wie ein internationaler, von der UNO organisiertes Millenniums Ziel es angibt. Heckler und Koch lieferte die hervorragenden Gewehre, Mit denen im Oktober 2014 über 40 mexikanische Studenten erschossen wurden, die der Drogenmafia das Geschäft verderben wollten.

Er stellt am Anfang fünf einfache Fantasien auf, die „selbst seiner Oma eingeleuchtet hätten“:

  1. Stelle Dir vor, Europa ist sich einig, das Elend der Welt zu bekämpfen.
  2. Stell dir vor, jeder auf der Welt hat Arbeit, vorn der er leben kann.
  3. Stelle Dir vor, es gibt Korruption und keiner besticht.
  4. Stell Dir vor, es gibt Krieg und keiner liefert Waffen.
  5. Stelle dir vor, islamische Autoritäten sprechen eine Fatwa gegen die „Kopfabschläger“ des „Islamischen Staates“ aus. 

Ja, der Norbert Blüm am Ende des Kalten Krieges wurde nicht müde, auf seine polnischen Kollegen nicht nur bei der Leninwerft zu setzen. Wir brauchen heute eine neue Solidarnosc: „Ich habe den heldenhaften Kampf der Arbeiter von der Danziger Leninwerft aus nächster Nähe erlebt, weil ich Lech Walesa in Polen konspirativ unterstützte. Ich erinnere mich an geheime Zusammentreffen mit Lech Walesa, Jacek Kuron und andere. Das scheint heute alles vergessen. Die jetzige Regierung in Warschau verrät die besten Traditionen von Solidarnosc.

Der größte Hammer ist aber, dass die Banken die ersten Regierungen sind und nicht mehr die Gewählten und ihre Abgeordneten und Minister. Geld regiert die Welt heißt das zentrale kleine Kapitel. „Geld bringt mehr Geld als Arbeit. Mit Geldgeschäften läßt sich mehr Geld verdienen als mit der Mühe der Arbeit.“ 99,6 Prozent der Dollarbillionen, welche den Erdball kreisen, haben mit Gütern und Dienstleistungen, die Werte schöpfen, nichts zu tun. Sie sind reine Finanzfiktionen. Und Blüm wäre nicht Blüm, wenn er nicht immer auch Namen nennen würde.

Denn der Niedergang der deutschen Bank wird von dem Anstieg an „Entlohungen“, unschuldig „BONI“ genannt, begleitet. Paul Aachleitner, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, strich für die das Jahr 2014 - 818.548,-- Euro ein. Ein Jahr davor waren es "nur" 645.833.-- Euro gewesen. Insgesamt erhielten die Mitglieder des Aufsichtsrates der Deutschen Bank für Ihre Tätigkeit 4.588.710.-- Euro.

Man kann den Norbert Blüm verstehen, der sein Feuer noch nicht begraben hat. Wir müssen mit diesen ganz offensichtlichen Sauereien aufhören.  

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Quelle   Rupert Neudeck 2016Grünhelme 2016

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