Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

03.03.2018

Eugen Drewermann über Alts neues Jesus-Buch

"Franz Alt ist ein gläubiger Christ, und so glaubt er, wie Christen es sollten, daß Jesus kam, die Welt von den Geißeln der Angst, der Gier und Gewalt zu erlösen; doch das kann nur geschehen, wenn wir – endlich – tun, was der Mann aus Nazareth gelebt und gelehrt hat. Doch wie hat er gelebt und was hat er gewollt? "

Darum ergeht ein unendlicher Streit der fachgelehrten Theologen. Bewusst schert Franz Alt sich darum nicht den Deut, denn dieser Streit verhindert und verweigert es, das Wort aus dem Munde Jesu zu hören, das über alles entscheidet: „Du aber folge mir nach.“

Genau das möchte Franz Alt. Ihm brennen die Probleme der Welt auf den Nägeln: die nicht endenden Kriege mit ihren Millionen Toten, die systematische Zerstörung der Natur mitsamt der mutwilligen Grausamkeit gegenüber all den Kreaturen, die ganz ähnlich fühlten wie wir selber, die skrupellose Konzentration der Güter dieser Welt in den Händen weniger um den Preis der Verelendung ganzer Kontinente… Franz Alt fragt nicht, was der historische Jesus (vielleicht) einmal gesagt hat, sondern was uns seine Worte heute zu sagen haben, die in den Evangelien, der Bergpredigt zum Beispiel, überliefert werden; und so lässt er Jesus sprechen, wie er sprechen würde, wenn er zu unseren gegenwärtigen Nöten Stellung nehmen müsste, - wenn ihm ein Journalist in einem Interview noch seiner Meinung befragen würde.

„Aber damit macht der Alt sich doch selbst zum Jesus“, wird man sagen; „damit will er nur seinen eigenen Ansichten eine absolute Autorität verleihen“. Doch so verhält es sich nicht. Im Gegenteil. Franz Alt fragt sich beim Lesen der Zeitung, wie die Welt, die uns als alternativlos selbstverständlich präsentiert wird, sich zu der Welt verhält, die Jesus mit seiner Botschaft von der Gottesherrschaft vorschwebte; und die Antwort ist klar: was wir dringend benötigen, ist eine Umkehr in allem.

Franz Alt schreibt das nicht als ein Ideologe oder utopistischer Schwärmer, er nähert sich der Gestalt Jesu als ein realistischer Pragmatiker, dem die Forderungen des Nazareners als die einzig verbleibenden Auswege aus der gegenwärtigen Krise einleuchten. Wie denn? Friede soll kommen durch immer neue Waffen und durch immer neue Kriege? So dreht uns die Blutmühle der Angst noch immer genauso weiter. Sicherheit soll sein durch immer gezielteres Morden und durch immer hermetischere Abschottung? So wächst nur die Feindschaft, die Fremdheit und die Gegnerschaft. Wachstum ist das Mittel, all die Probleme der Überschuldung, der Armut und der Ungleichheit zu lösen? In Wahrheit basiert das Wachstum auf einer sich stets noch immer weiter ausdehnenden Ausbeutung der Natur. So kann man dran bleiben. So bleibt Franz Alt dran.

Sein Buch „Der Appell von Jesus an die Welt“ ist das Resultat eines ständigen Zwiegesprächs, wie es jeder Christ führen sollte: Was würde Jesus in dieser Situation mir sagen, und wie müsste ich sprechen, um sein Anliegen zu verdeutlichen? Wer (an) Jesus glaubt, kann nicht anders, als zu glauben, dass Frieden, Gerechtigkeit, Rücksichtnahme und Respekt, dass Liebe und Güte in dieser Welt seinen Willen wirklich werden lassen, wie es im „Vater-unser“ Jesus die Jünger zu beten lehrte. Friedenspolitik, Umweltpolitik, Finanzpolitik sind nicht länger das Metier von Verwaltungsbeamten und Technokraten; auf diesen Feldern entscheidet sich, wes Glaubens Kinder wir sind; - ob wir Menschen sind und was wir für Menschen sind, entscheidet sich wesentlich an der religiösen Botschaft des Mannes aus Nazareth.

Gewiss, man kann Zweifel hegen, ob sich die Worte Jesu besser verstehen lassen, wenn man so tut als wüssten wir, wie sie auf aramäisch geklungen haben; wie mühsam solche philologischen Annäherungen sind, weiß jeder, der bei Dalman den galiläischen Dialekt Jesu zu lernen versucht hat und die Studien von Joachim Jeremias aufmerksam verfolgt hat. Da, zugegeben, bewegen wir uns auf dem Plafond der Historie. Die Frage aber ist nicht, wie Jesus vor 2000 Jahren am See Genezareth gesprochen haben könnte, sondern was er uns heute verbindlich zu sagen hat. Darum müht sich Franz Alt, und er weiß: Viel Zeit zu der nötigen Umkehr bleibt uns nicht mehr. Darum sein drängendstes Werben, darum sein beschwörendes Hoffen, darum sein inständiges Eintreten für Liebe, Mitgefühl und Mitmenschlichkeit.

Zurück zur Übersicht

Quelle   Eugen Drewermann 2018

Das könnte sie auch interessieren