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24.01.2016

Rückkehr der Sintflut - Wenn das Ewige Eis schmilzt

Das Gesicht unseres Planeten wird sich in den kommenden 50 Jahren dramatisch verändern. Als Folge des Treibhauseffektes. Schon heute spüren wir die Auswirkungen des Klimawandels.

Rückkehr der Sintflut (1/2) Wenn das Ewige Eis schmilzt

Doch unsere Kinder und Enkel wird die Katastrophe mit voller Wucht treffen. Wie wird sich ihr Leben verändern? Drei Szenarien, drei Familienschicksale geben darüber Aufschluss und erlauben einen Blick in die Zukunft, über die seriöse Klimaforscher schon heute erstaunlich präzise Aussagen machen können.

Jahr für Jahr fühlt Konrad Steffen dem vermeintlich Ewigen Eis Grönlands den Puls. Der weltbekannte Klimaforscher von der Universität Colorado macht sich keine Illusionen mehr: Innerhalb von nur 15 Jahren ist die Temperatur während der Wintermonate um bis zu fünf Grad gestiegen. Pro Jahr verliert Grönland das Eisvolumen der gesamten Alpen. Und nie zuvor waren die Klüfte im Eis so tief: Jene gewaltigen Risse, durch die unablässig wahre Sturzbäche von Schmelzwasser rauschen. Sie sorgen dafür, dass die Eismassen wie auf einem Schmiermittel in Richtung Meer abrutschen. Eine Tatsache, die bisher in keinem Klimamodell berechnet ist und deshalb ganz neue, vor allem erschreckende Erkenntnisse in sich birgt.

Faszinierende Bilder beweisen, wie eng auf unserem Planeten alle Klimaphänomene zusammenhängen: Dieselbe Erwärmung, die Grönland zum Schmelzen bringt, wird in Köln am Rhein schon in naher Zukunft für extreme Niederschläge sorgen, auf die niemand vorbereitet ist. In 30 Jahren wird sich die Hochwassergefahr mehr als verdreifachen.

Es ist die Welt einer nicht mehr fernen Zukunft, in der Christopher lebt. Der 13Jährige kennt die Gefahren der gefürchteten Rheinhochwasser, bei denen sich Schmelzwasser aus den Alpen und mehrere Hochwasserwellen auf dem Fluss überlagern, bereits aus eigener Anschauung. Doch als dieses Mal die Dämme überflutet werden, kommt es schlimmer als je zuvor. Seuchen brechen aus, die Trinkwasserversorgung bricht zusammen. Christopher steht jäh vor der größten Herausforderung seines Lebens: Auf sich allein gestellt, muss er seine Familie mit Trinkwasser versorgen und schließlich sogar seine schwerkranke Schwester ins Krankenhaus bringen - eine lebensgefährliches Unterfangen in der Meter hoch überschwemmten Altstadt.

Was in Köln wie eine Horrorvision wirkt, ist in Bangladesch schon heute fast jährlich wiederkehrende Realität. Die Zeitabstände zwischen den großen Sturmfluten haben sich deutlich verkürzt. Das Filmteam sammelte beklemmende Aufnahmen vom Hochwasser des vergangenen Spätsommers. Doch wie sieht die Zukunft aus für dieses Land, das in weiten Teilen nur Zentimeter über dem Meeresspiegel liegt? Film von Thomas Hies und Jens Monath




Rückkehr der Sintflut (2/2) Wie unsere Kinder leben werden

Der zweite Teil führt ans andere Ende der Welt: in die Hoch-Anden Perus. Dort forscht der weltweit anerkannte Klimatologe Lonnie Thompson. Auf seiner jüngsten Expedition im vergangenen Jahr hat sich erneut bestätigt, was der US-Amerikaner seit Jahren beobachtet: Auch die tropischen Gletscher schmelzen in einem fast atemberaubenden Ausmaß.

Der Quelccaya-Gletscher in den Hoch-Anden Perus, 5.700 Meter über dem Meeresspiegel. Um Luft ringend kämpft sich Lonnie Thompson die letzten Schritte bis zum Fuß der Eismasse heran. Dann bleibt er stehen, keuchend, in stummem Entsetzen. Seit mehr als dreißig Jahren steigt der Paläoklimatologe Jahr für Jahr hier hinauf, um mit Hilfe von Eisbohrkernen Klimadaten vergangener Jahrtausende zu sammeln. Doch noch nie hat sein Gletscher ein so kümmerliches Bild abgegeben. Die Eismasse hat sich um 60 Meter zurückgezogen. Binnen eines Jahres hat sich ein riesiger See aus Schmelzwasser gebildet. Thompson findet Reste von Pflanzen, die 5.000 Jahre lang unter der Eismasse verborgen waren und nun freigegeben werden. Das bedeutet: Seit 5.000 Jahren war der Gletscher nicht mehr so klein wie heute.

Doch Quelccaya ist nur ein Beispiel. Bei allen Gebirgsgletschern weltweit beobachtet Thompson das gleiche Phänomen. Sein Ausblick in die Zukunft ist düster. Wenn wir nur acht Prozent der weltweiten Eismasse verlieren, errechnet sich ein um sechs bis sieben Meter höherer Meeresspiegel. Steigt die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um drei Grad, dann ist es auf der Erde so warm wie zuletzt im Pliozän vor drei Millionen Jahren. Damals lag der Meeresspiegel um rund 25 Meter höher als heute.

Die fiktionale Geschichte der Kinder in Köln und New York zeigt nur die Anfänge einer Entwicklung, die in vielen Teilen der Erde schon heute eingesetzt hat.

Lassen sich die Folgen des Klimawandels mildern, können wir uns gar bis zu einem gewissen Grad anpassen? Der Film gibt auch zu diesen Fragen einen Ausblick: In den Niederlanden, dem Bangladesch des Nordens, dessen Bewohner schon seit mehr als tausend Jahren mit dem Kampf gegen die Fluten leben, rüstet man sich mit innovativen Konzepten gegen die Rückkehr der Sintflut. Schwimmende Häuser, ganze Städte auf dem Meer sollen dort entstehen. Stiegt der Meeresspiegel, so werden sie einfach mit nach oben gehoben, ohne Schaden zu nehmen. Doch solch aufwändige Lösungen werden nur einem Bruchteil der Bevölkerung an den Küsten helfen können. Der Rest muss den geordneten Rückzug antreten - aus den Küstengebieten und von den Flussufern. Film von Thomas Hies und Jens Monath


 

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Quelle   phoenix 2016

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