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© Depositphotos.com | bortnikau | Hunderttausende gehen seit Wochen friedlich protestierend auf die Straße, trotz der Gefahr, dass sie willkürlich verhaftet, entführt, gefoltert und mit dem Tode bedroht werden.

Belarus: Auch Umweltschützer*innen werden willkürlich verhaftet und entführt

Der Protest gegen den Diktator Lukaschenko hat große Teile der Bevölkerung in Belarus erfasst, die sich mit großem Mut gegen die jahrzehntelange Unterdrückung auflehnen.

Hunderttausende gehen seit Wochen friedlich protestierend auf die Straße, trotz der Gefahr, dass sie willkürlich verhaftet, entführt, gefoltert und mit dem Tode bedroht werden.

Tausende Frauen demonstrierten alleine am Samstag friedlich gegen das Regime, über einhunderttausend gestern in ganz Belarus. Vermummte Schergen der Staatsgewalt antworteten mit brutaler Gewalt und Entführungen.

Die Zahl der insgesamt Verhafteten oder Verschleppten ist ungewiss geht aber in die Tausende, alleine gestern, am 13. September, sind über 400 verhaftet worden. Oft ist nichts zu ihrem Verbleib bekannt.

Vor Tagen wurden auch drei führende Umweltschützer*innen in ihren Wohnungen oder auf der Straße verschleppt.

Am 5. und 6. September wurden drei Umweltaktivist*innen in Belarus von zivil gekleideten Personen entführt. Die Entführungen und Inhaftierungen folgten nach ihrer Teilnahme an friedlichen politischen Protesten.

  • Irina Sukhy, Vorsitzende des Green Network Council und Mitglied der NGO EcoDom, die eine Kampagne gegen das Atomkraftwerk Astrovets führt.
  • Andrey Egorov, Vorsitzende vom Coordination Committee of the Belarusian National Platform of the Eastern Partnership Civil Society Forum und Mitglied des Green Network Council
  • Anastasia Zakharevich, Umweltjournalistin

Das weltweite größte Netzwerk von Klimaschutzorganisationen, Climate Action Network (CAN) und dessen europäischer Ableger CAN Europe – dessen Mitglieder die Gefangenen sind – hatten die Weltöffentlichkeit bereits letzte Woche darüber informiert und entsprechende Pressemitteilungen veröffentlicht, in denen unter anderem die sofortige Freilassung der Aktivist*innen und aller anderen unrechtmäßig Gefangenen gefordert wird. Auch die Energy Watch Group hat sich dem Aufruf angeschlossen und die entsprechende Pressemitteilung mitunterzeichnet.

Am Freitag, 11. September wurde Irina Sukhy freigelassen. Bei einigen anderen Mitarbeiter*innen von EcoDom fanden am Wochenende Hausdurchsuchungen statt.

Die Energy Watch Group hatte in den letzten Jahren Kontakt mit den Entführten, unter anderem auf Umweltkonferenzen in Minsk. Gemeinsam wurden Konzepte für eine 100% Energieversorgung für Belarus diskutiert.

Insbesondere EcoDom aber auch andere Umweltgruppen arbeiten seit vielen Jahren für den Klimaschutz mit Erneuerbaren Energien, aber auch gegen Nukleargefahren. So wurden in Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen, wie beispielsweise Heimstatt Tschernobyl Hilfen für die Opfer des Supergaus organisiert.

Zudem wurden auch Konzepte zur Vermeidung des ersten Atomkraftwerkes in Belarus entworfen. Leider vergeblich, das diktatorische Regime von Lukaschenko hat mit Verachtung gegenüber den Millionen Opfern im eigenen Lande nach dem Supergau in Tschernobyl die Inbetriebnahme des höchst gefährlichen Atomkraftwerks bei Astravets an der Grenze zu Litauen am 7. Juli diesen Jahres begonnen, statt auf den Ausbau Erneuerbarer Energien zu setzen.

Wir fordern die Regierung in Belarus zur sofortigen Freilassung aller politisch Verhafteten und Entführten auf!

Belarus hat eine starke junge Freiheits-, Demokratie- und Umweltbewegung. Sie ist das Fundament für eine Erneuerung des Landes. Nicht sie gehören ins Gefängnis, sondern die brutalen Schergen und Führer des diktatorischen menschen- und naturverachtenden Regimes von Präsident Lukaschenko.

Die belarussische Freiheitsbewegung braucht alle unsere Unterstützung, um endlich den in der letzten Wahl artikulierten Willen auf eine andere Regierung durchzusetzen. Die EU und Deutschland müssen die Opposition in Belarus stärker unterstützen und die Regierung Lukaschenko noch massiver unter Druck setzen.

Quelle

Hans-Josef Fell 2020Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG

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