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Folgen der Hormus-Krise: Trump als Klimaschützer

Der globale CO2-Ausstoß dürfte 2026 leicht sinken, weil der Iran-Krieg Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben hat. Erneuerbare Energien und Elektroautos profitieren, aber auch die Kohle erlebt einen Aufschwung.

Die Straße von Hormus bleibt ein gefährliches Nadelöhr für die Energieversorgung und damit für die Weltwirtschaft. Seit Beginn des Krieges der USA gegen den Iran Ende Februar ist der Schiffsverkehr durch die Meerenge am Persischen Golf massiv gestört.

Öltanker werden attackiert, Reedereien meiden die Route, die Energiepreise schwanken heftig. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent lag Mitte der Woche bei 105 US-Dollar. Die Internationale Energieagentur IEA warnt vor einer Dieselknappheit bis 2027.

Die Krise verteuert Treibstoffe und belastet besonders Länder, die Öl und Gas importieren. Doch sie könnte auch die Energiewende beschleunigen. Denn je teurer und unsicherer fossile Energieträger werden, desto attraktiver sind Alternativen: Solar- und Windkraft, Elektroautos und elektrische Heizsysteme. Allerdings greifen manche Länder verstärkt auf Kohle zurück.

Laut einer Analyse des britischen Fachportals Carbon Brief dürften die weltweiten CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger 2026 um rund 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr sinken. Das wäre eine bemerkenswerte Trendwende.

Schließlich waren die Emissionen nach dem vorübergehenden Einbruch während der Corona-Pandemie wieder angestiegen und hatten neue Höchststände erreicht. Die Berechnung stützt sich auf Prognosen der Internationalen Energieagentur IEA für den Verbrauch von Erdöl, Gas und Kohle.

Der Iran-Krieg hat die Ölmärkte verändert

Besonders stark hat sich die Perspektive beim Erdöl verändert. Noch im Januar, vor Beginn des von US-Präsident Donald Trump begonnenen Iran-Kriegs, hatte die IEA für dieses Jahr mit einem Anstieg des weltweiten Tagesverbrauchs um 930.000 Barrel gerechnet. Im September erwartete sie dagegen einen Rückgang um 2,5 Millionen Barrel, ein Minus von 2,4 Prozent gegenüber 2025. 

Beim Erdgas zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Anfang des Jahres war die IEA noch von einem weltweiten Nachfragewachstum um zwei Prozent ausgegangen. Bereits im Juli prognostizierte sie einen Rückgang um 0,6 Prozent.

Der Grund sind vor allem die hohen Preise für verflüssigtes Erdgas (LNG). Lieferausfälle verschärfen den Wettbewerb zwischen Europa und Asien. Abnehmer versuchen, Gas einzusparen, und überprüfen den Neubau von Kraftwerken.

Der entscheidende Punkt in der Carbon-Brief-Analyse: Obwohl gleichzeitig mehr Kohle verbrannt wird, überwiegen die Emissionseinsparungen bei Öl und Gas.

Allerdings bedeutet ein Rückgang um ein halbes Prozent noch keine dauerhafte Wende beim Klimaschutz. Ein großer Teil ist Folge hoher Preise: Wenn Betriebe weniger produzieren und Menschen weniger Auto fahren, sinkt der Energieverbrauch. Das ist noch kein struktureller Wandel.

Dennoch könnte aus dem aktuellen Schock eine langfristige Veränderung entstehen. Denn jede weitere Krise stärkt das Argument, Energie möglichst im eigenen Land zu erzeugen, etwa durch Solarmodule und Windräder. Sind sie einmal gebaut, entkoppeln sich die Stromerzeugungskosten zunehmend vom globalen Energiemarkt.

Transformation im Schlingerkurs 

Besonders sichtbar wird der Umbau im Verkehrssektor. In großen Automärkten wie China, Europa und Australien erreichten Elektroautos zuletzt neue Marktanteilsrekorde. Auch in Schwellenländern wie Indonesien und Thailand nimmt die Nachfrage deutlich zu.

Energieanalysen zeigten jüngst, dass sich die Elektroauto-Verkäufe in Märkten außerhalb Chinas, Europas und Nordamerikas im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat nahezu verdoppelt haben. Hohe Spritpreise machen den Umstieg wirtschaftlich attraktiver.

Doch der Wandel verläuft keineswegs geradlinig. So verlängern einige Länder die Nutzung bestehender Kohlekraftwerke, um die Stromversorgung zu stabilisieren.

Das hat Folgen für die weltweite Kohlebilanz. Ursprünglich hatte die IEA für 2026 einen leichten Rückgang des Verbrauchs erwartet. Inzwischen prognostiziert sie ein Plus von 1,2 Prozent. Hohe Gaspreise begünstigen die Verstromung von Kohle, wo Kraftwerke vorhanden sind.

Auch das Wetterphänomen El Niño im tropischen Pazifik, das regional den Strombedarf für Klimatisierung erhöht und die Wasserkraft beeinträchtigt, sowie die Abregelung erneuerbarer Energien in China mangels ausreichender Stromnetze spielen beim Kohleaufschwung eine Rolle.

Zudem gilt: Die USA, nach China globaler CO2-Einheizer Nummer zwei, setzen unter Trump auf die „Drill, baby, drill“-Strategie. Die Regierung baut die Öl- und Gasförderung weiter aus und will das Land als führenden Exporteur fossiler Energieträger absichern.

Der Krieg am Golf eröffnet zusätzliche Absatzmöglichkeiten, etwa für per Fracking gewonnenes LNG. Während Importländer unter den hohen Preisen leiden, profitieren US-Produzenten.

Beispielloses Klima-Rollback in USA 

Wie weit Trump den Klimaschutz zurückgedreht hat, dokumentiert eine neue Untersuchung des Climate Action Tracker (CAT). Das internationale Forschungsprojekt bewertet die US-Politik als „kritisch unzureichend“. CAT-Experte Finn Hossfeld spricht vom umfassendsten Abbau klimapolitischer Maßnahmen, den man bisher untersucht habe.

Trump hat die rechtliche Grundlage für die Regulierung von Treibhausgasen durch die US-Umweltbehörde EPA beseitigt und die CO2-Emissionsstandards für neue Fahrzeuge aufgehoben. Auch Vorgaben für fossile Kraftwerke wurden gestrichen. Gleichzeitig versucht die Regierung, alte Kohlekraftwerke am Netz zu halten.

Neue Gaskraftwerke sollen unter anderem den steigenden Strombedarf der Rechenzentren für künstliche Intelligenz decken. Laut CAT haben die USA mehr neue Gaskraftwerksprojekte genehmigt als jedes andere Land.

Hinzu kommt der Abbau finanzieller Anreize für saubere Technologien. Das 2025 beschlossene Steuer- und Ausgabengesetz hat wesentliche Förderungen zurückgenommen, die Trumps Vorgänger Joe Biden eingeführt hatte.

Laut CAT könnte der jährliche Zuwachs erneuerbarer Energien in den USA künftig fast 80 Prozent unter früheren Prognosen liegen. Bei Elektroautos wird für 2030 ein um 40 bis 60 Prozent geringerer Anteil an den Neuwagenverkäufen erwartet.

Ob der weltweite CO2-Ausstoß in diesem Jahr tatsächlich sinkt, bleibt derweil offen. Und selbst ein Minus von einem halben Prozent, wie es die Carbon-Brief-Analyse erwartet, wäre weit entfernt von dem, was zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad nötig ist.

Die Energiekrise könnte dennoch einen Wendepunkt markieren, wenn Regierungen weltweit die Voraussetzungen dafür schaffen, dass erneuerbare Energien, Stromnetze und Elektrifizierung ihre Vorteile ausspielen können.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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