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pixabay.com | Andrea-Stöckel-Kowall

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Radioaktive Verschmutzung des Nordostatlantiks darf nicht fortgesetzt werden!

Die OSPAR-Konvention verschiebt den Strahlenschutz um 30 Jahre.

Der Nordostatlantik und seine Küstengebiete sind über weite Teile radioaktiv belastet. 1998, vor über 20 Jahren, beschloss deshalb die OSPAR-Konvention die Strahlung zum Schutz von Mensch und Umwelt drastisch zu reduzieren. Bis 2020 sollte sie auf das Niveau der natürlichen Hintergrundstrahlung sinken. OSPAR steht für Oslo und Paris und ist ein völkerrechtliches Abkommen zum Schutz des Nordostatlantiks vor Verschmutzungen aller Art.

„Hat OSPAR ihr Ziel erreicht? Nein, im Gegenteil, im Oktober 2021 wurde das verfehlte Ziel einfach um weitere 30 Jahre auf das Jahr 2050 verschoben“, kritisiert Martin Litschauer, Anti-Atomenergie Sprecher der Grünen.

Schaut man sich an woher der Großteil der Strahlung kommt, wird schnell klar, wer davon profitiert: Frankreich und andere Atomenergieländer Europas. Denn, an der Spitze der Halbinsel Cotentin in der Normandie steht die Anlage La Hague. Hier werden Uran-Brennstäbe aus ganz Europa wiederaufbereitet und von hier aus werden täglich 400 Kubikmeter radioaktives Abwasser in den Nordostatlantik geleitet. Solche Mengen bleiben nicht ohne Konsequenzen. Eine Studie aus 1997 etwa zeigt, dass Kinderleukämie im 10 km Umkreis von La Hague dreimal so häufig vorkommt wie im restlichen Frankreich.

Die französische NGO ACRO (Association pour le controle de la radioactivite dans l’ouest) hat seit 1998 keine Verbesserung der radioaktiven Belastung an der Küste gemessen. Im Gegenteil- mancherorts wurden bis zu 100-fache Überschreitungen der natürlichen Hintergrundstrahlung festgestellt. ACRO und Greenpeace haben wiederholt auf die Verschmutzung mit Jod-129 und C-14, den radioaktiven Elementen mit der größten Schadenswirkung, hingewiesen. Würde man allein diese beiden Elemente aus den Abwässern filtern, könnte man sich die Strahlendosis um 30% reduzieren. Einziger Haken: Was hier passiert ist völlig legal. Es gibt kein verbindliches Abkommen, das die Einleitung radioaktiven Abwassers verbieten würde. Ein solches gibt es seit 1993 nur für radioaktive Feststoffe.

Martin Litschauer zeigt sich verständnislos: „In Fukushima wurden Filteranlagen für 62 radioaktive Elemente installiert. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso das nicht auch in der französischen Wiederaufbereitungsanlage Le Hague gemacht wird. Sie ist Haupt-Emittentin der Radioaktivität, die sogar bis nach Dänemark messbar ist. Der Schutz der lokalen Bevölkerung ist der Betreiberfirma Orenco und dem französischen Staat anscheinend nicht wichtig genug. Es kann nicht sein, dass es unabhängigen NGOs überlassen wird, transparent über die radioaktive Verstrahlung zu berichten. Wo bleibt die Verantwortung Frankreichs und Orencos die Bevölkerung zu informieren und zu schützen? Leider ist Geheimnistuerei Programm in der Atomindustrie. Bevor Macron Kurs zurück ins Nuklearzeitalter einschlägt, muss er einen Stopp im verstrahlten Nordostatlantik einlegen und dort gründlich aufräumen.“

Wer sind die OSPAR-Mitgliedstaaten? Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Island, Irland, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden, Schweiz, Großbritannien und die Europäische Union. Bis auf Luxemburg, Norwegen, Dänemark, Portugal und Island betreiben alle Vertragsstaaten Atomkraftwerke, oder befinden sich im Atomausstieg.

„Statt darüber zu diskutieren, ob man Atomenergie in die Taxonomie aufnehmen kann, muss sich die Europäische Kommission endlich der Tatsache stellen, dass Atomenergie nicht nachhaltig ist und sie muss sich darum kümmern, dass radioaktiv verseuchte Abwässer nicht einfach ins Meer eingeleitet werden. Ich fordere daher, dass endlich Grenzwerte für Abwässer festgelegt werden, welche unsere Umwelt schützen, statt bei dieser Verseuchung weiter zuzuschauen“, so Litschauer abschließend.

Weitere Infos:

Quelle

oekonews.at / Doris Holler 2021

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