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© Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

AKW Buschehr: Der Beginn des iranischen Atomprogramms war „Made in Germany“

Die Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima zeigen die Gefahren der Atomkraft. Eine noch größere Gefahr und Katastrophe für die Menschheit ist jedes Land, das mithilfe der „friedlichen“ Atomkraft in den Besitz von Atomwaffen gelangt.

Politik und Medien beklagen, dass der Iran über die Nutzung der Atomkraft an Atomwaffen kommen könnte. Häufig „vergessen“ wird in der Berichterstattung der Baubeginn des ersten iranischen AKW durch die deutsche Kraftwerksunion, durch Siemens und AEG. Auch der Zusammenhang zwischen dem Irankrieg, der Idee weltweit viele kleine AKW zu bauen und der Gefahr von Proliferation wird gerne übersehen.

Das erste iranische Kernkraftwerk wurde bereits in den 1970er Jahren geplant und sollte von der Kraftwerk-Union (KWU), einem Joint Venture von Siemens AG und AEG, errichtet werden. Damals wurde der Iran noch von einer (aus deutscher Sicht) „guten Diktatur“, von Schah Mohammad Reza Pahlavi, regiert.Er war durch einen CIA-Putsch installiert worden. Der Bau des AKW begann am 1. Mai 1975, wobei ursprünglich zwei Druckwasserreaktoren vorgesehen waren, wie sie im Kernkraftwerk Biblis verwendet wurden. Die Fertigstellung war für 1982 geplant, wobei der Bau der Sicherheitshülle in die Zuständigkeit der Fried. Krupp AG fallen sollte.

Nachdem im Jahre 1979 jedoch das Schah-Regime im Verlauf der islamischen Revolution gestürzt und durch die Mullah-Autokratie ersetzt wurde, kam der Bau zum Erliegen – Block 1 war zu diesem Zeitpunkt zu 85 % fertiggestellt, Block 2 zu 50 %. Siemens zog sich aus dem Projekt zurück, das später von der Sowjetunion fertiggestellt wurde.

Warum haben Länder wie Pakistan, Indien, Nordkorea, Israel und zukünftig evtl. auch der Iran Atomwaffen?

Weil sie mithilfe der sogenannten „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ Mittel und Wege gefunden haben, Atomkraftwaffen zu bauen. Am Anfang der Bombe stehen Atomkraftwerke mit deren Hilfe sich zumindest „schmutzige Atomwaffen“ bauen lassen. Eine schmutzige Bombe ist eine Waffe, die konventionellen Sprengstoff mit radioaktivem Material kombiniert, um dieses bei einer Explosion in der Umgebung zu verteilen. Selbst der Abschuss einer mit radioaktivem Material gefüllten Rakete führt zu einer massiven Verseuchung.
Der nächste wichtige Schritt zu realen Atomwaffen sind Uran-Anreicherungsanlagen, Plutoniumproduktion und Wiederaufarbeitung. Und jedes alte und neue AKW vergrößert die Gefahr für den Weltfrieden, denn es besteht stets ein reales Proliferationsrisiko (Dual-Use).

Gerade das AKW Buschehr zeigt auch die Gefahren der Atomkraft im Krieg. Über israelische und amerikanische Angriffe auf das AKW berichten die Medien. Ein Angriff mit konventionellen Waffen kann jederzeit zu einer Kernschmelze und zum Super-Gau führen.

Wenn es nach der Atomlobby geht, verstärken zukünftig noch neue kleine Atomkraftwerke und Thorium-Reaktoren die Gefahr der Proliferation. Bestrahltes Thorium kann in waffenfähiges Uran-233 umgewandelt werden. Es sind dazu nicht einmal große Laboreinrichtungen nötig. Mini-AKW sind Diktators Liebling. Der Export und weltweite Bau von Kleinstreaktoren kann dazu führen, dass immer mehr Länder, Diktaturen und Autokraten in den Besitz von Atomkraftwaffen gelangen und wäre ein globales Selbstmordprogramm. Da passt die Information über das iranische „Made in Germany“ AKW in Buschehr nicht in die aktuelle, gute organisierte rechts-konservative Atom-Euphorie.

Es wäre wünschenswert, dass zumindest unsere wenigen Qualitätsmedien endlich auch über den Zusammenhang von friedlicher und militärischer Atomkraft, über die teuren Pleiten, Pech und Pannen und über die Risiken der hochgepriesenen Mini-AKW berichten würden.

Quelle

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein 2026

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