Forschungsverbund warnt vor massiven Kürzungen der angewandten Energieforschung im Bundeshaushalt 2027
Geplante Einschnitte gefährden Innovationen, Fachkräfte und die Wettbewerbsfähigkeit von Energietechnologien.
Der ForschungsVerbund Erneuerbare Energien (FVEE) zeigt sich tief besorgt über die im Entwurf des Bundeshaushalts 2027 vorgesehenen Kürzungen der angewandten Energieforschung. Im Klima- und Transformationsfonds sollen die für neue Forschungsprojekte notwendigen Verpflichtungsermächtigungen im Förderbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie um ein Drittel reduziert werden.
Nach Auffassung des FVEE gefährden diese Einschnitte die Kontinuität der Energieforschung und damit zentrale Voraussetzungen für das Gelingen der Energiewende sowie die technologische Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.
Der Sprecher des FVEE, Hans-Peter Ebert, erklärt: „Die geplanten Kürzungen treffen die angewandte Energieforschung in einer Phase, in der Innovationen für eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Energieversorgung dringend benötigt werden. Wer jetzt die Projektförderung beschneidet, gefährdet nicht nur Forschungsstrukturen, sondern auch die Innovationskraft von Wirtschaft und Industrie“. Daher fordert er: „Deutschland darf sich nicht aus der Technologieentwicklung für die globalen Märkte der Energiewende verabschieden. Eine starke, verlässliche Förderung der angewandten Energieforschung ist Voraussetzung für Innovationen, Wertschöpfung und industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, dieses Zukunftsfeld zu stärken – nicht zu schwächen.“
Bereits die stark schwankenden Verpflichtungsermächtigungen der vergangenen Jahre hatten dazu geführt, dass zahlreiche mehrjährige Forschungsprojekte nicht bewilligt oder nicht begonnen werden konnten. Nach erheblichen Mittelkürzungen mussten viele Forschungseinrichtungen bereits 2024 und 2025 Personal abbauen. Eine weitere Kürzungsrunde würde nach Auffassung des FVEE zu einem kritischen Bruch von Innovationsketten führen.
Betroffen wären unter anderem Forschungsprojekte für erneuerbare Energien, klimafreundliche Wärmeversorgung, Energiespeicher, Leistungselektronik und resiliente Stromnetze. Da die Förderprogramme des Bundeswirtschaftsministeriums konsequent auf Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen und Praxispartnern aus Industrie, Energiewirtschaft, Stadtwerken, Immobilienwirtschaft und Handwerk ausgerichtet sind, reichen die Auswirkungen weit über die Wissenschaft hinaus.
„Wir befürchten, dass zahlreiche bereits vorbereitete Projekte nicht starten können und sich dadurch die Entwicklung und Umsetzung dringend benötigter Energieinnovationen erheblich verzögert. Gerade in den kommenden Jahren sind verlässliche Rahmenbedingungen notwendig, um gemeinsam mit Unternehmen Lösungen für die Transformation des Energiesystems zu entwickeln und neue Technologien zur Marktreife zu bringen“, warnt Andreas Bett, stellv. Sprecher des FVEE und Leiter des Fraunhofer ISE.
Die angewandte Energieforschung bildet seit Jahrzehnten eine wesentliche Grundlage für die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Forschung und Entwicklung haben entscheidend dazu beigetragen, die Kosten moderner Energietechnologien weltweit zu senken und Deutschland in zahlreichen Bereichen der erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz sowie der Netz- und Systemtechnik zu einem Technologieführer zu machen. Diese Position dürfe nicht durch kurzfristige Einsparungen gefährdet werden.
Kontinuität in der Forschungsförderung ist zudem Voraussetzung für den Erhalt hochqualifizierter Fachkräfte und die Umsetzung langfristiger Forschungsstrategien. Planungssicherheit war über viele Jahre ein Erfolgsfaktor der deutschen Energieforschung und die Basis für eine enge Zusammenarbeit mit innovativen Unternehmen, insbesondere dem Mittelstand.
Der FVEE appelliert daher eindringlich an die Verantwortlichen der Haushaltsverhandlungen, die im Koalitionsvertrag zugesagte Stärkung der Energieforschung umzusetzen und die bisherige Förderperspektive für die angewandte Energieforschung wiederherzustellen.







