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Internationaler Aufruf: Stoppt die unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veraenderter Organismen!

Breites Bündnis startet Appell an Vertragsstaaten des Uebereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD) und des Cartagena-Protokolls.

Ein breites internationales Bündnis veröffentlicht einen Aufruf, um die unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veraenderter Organismen zu stoppen. Die Initiative fordert insbesondere internationale Verbote der Freisetzung von gentechnisch veraenderten Pflanzen, falls diese sich unkontrolliert ausbreiten koennen oder es zu einer Anreicherung mit Transgenen im Saatgut der Ursprungsregionen unserer Nutzpflanzen kommen kann. Die Organisationen fordern die Mitgliedslaender der Konvention ueber die Biologische Vielfalt (CBD) und des Cartagena-Protokolls auf, jetzt aktiv zu werden. Denn nach dem Wortlaut des Cartagena-Protokolls, das Teil der CBD ist, muss die biologische Vielfalt vor einer laenderuebergreifenden, unkontrollierten Ausbreitung gentechnisch veraenderter Organismen geschuetzt werden.

Der Aufruf wird u.a. von folgenden Organisationen unterstuetzt: Asociandote a Ecologistas en Accion (Spanien), Arbeitsgemeinschaft baeuerliche Landwirtschaft (AbL), Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt, Die Baecker.Zeit fuer Geschmack, Econexus, Ecoropa, ETC-Group, European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER), Friends of the Earth, Europe (FOE), Gen-ethisches Netzwerk (GeN), Gesellschaft fuer oekologische Forschung, Greenpeace International, IG Saatgut, Red de Semillas (Spanien), Save our Seeds, Testbiotech, Third World Network (TWN) Union de Cientificos Comprometidos con la Sociedad, UCCS (Mexiko) und Zukunfsstiftung Landwirtschaft.

„Inzwischen sind bereits mehrere Beispiele fuer die unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veraenderter Pflanzen in der Umwelt dokumentiert: Baumwolle in Mexiko, Raps in Nordamerika, Japan, Australien und der Schweiz sowie Graeser in den USA. Darueber hinaus wurden wiederholt Transgene in regionalen oder urspruenglichen Sorten gefunden, so zum Beispiel in mexikanischem Mais und in Reis aus China“, sagt Elena Álvarez-Buylla aus Mexiko. „Es besteht das Risiko, dass wir die urspruengliche biologische Vielfalt der Nutzpflanzen nicht erhalten koennen, weil sich die Entwicklungsdynamik in wilden Populationen und den urspruenglichen Sorten veraendert.“

Elena Alvarez-Buylla ist eine fuehrende mexikanische Biologin, die sich zur Zeit auf Vortragsreise in Europa befindet; sie ist zudem Mitglied der Wissenschaftlervereinigung Union de Cientificos Comprometidos con la Sociedad, UCCS (Mexiko). Sie war an verschiedenen Projekten beteiligt, bei denen nachgewiesen wurde, dass sich in Mexiko gentechnisch veraenderte Pflanzen in regionalen Sorten und natuerlichen Populationen ausbreiten.

Das Third World Network (TWN) verfolgt die Verhandlungen zum Cartagena-Protokoll ueber die biologische Sicherheit seit vielen Jahren. Die internationale Organisation warnt vor den langfristigen Folgen einer unkontrollierten Ausbreitung von Transgenen in der Umwelt: „Das internationale Cartagena-Protokoll verlangt, dass das Risiko fuer eine unbeabsichtigte Ausbreitung gentechnisch veraenderter Organismen ueber die Landesgrenzen ausgeschlossen oder minimiert wird. Die steigende Zahl von Faellen unkontrollierter Ausbreitung gentechnisch veraenderter Organismen verstaerkt aber das Risiko einer grenzueberschreitenden Ausbreitung erheblich“, sagt Lim Li Ching fuer TWN.

„Zudem kann das Vorsorgeprinzip nur dann umgesetzt werden, wenn gentechnisch veraenderte Organismen im Notfall auch wieder aus der Umwelt entfernt werden koennen. Das aber ist unmoeglich, sobald sich die Organismen z.B. in natuerlichen Populationen verbreiten oder sich im Saatgut anreichern.“

Die internationale ETC Group warnt vor den technischen Ansaetzen, die in diesem Zusammenhang von der Industrie und manchen Regierungen propagiert werden, um gentechnisch veraenderte Pflanzen unfruchtbar zu machen: „Die Terminator-Technologie, durch die Saatgut per Gentechnik steril gemacht werden kann, wird von der Industrie als Massnahme zum Schutz der Umwelt propagiert. In Wirklichkeit aber soll es so vor allem Landwirten unmöglich gemacht werden, ihr eigenes Saatgut zu vermehren.

Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass Terminator-Pflanzen sich nicht wie vorhergesagt verhalten und zusaetzliche Risiken verursachen. Die CBD hat diese Technologie wegen ihrer Risiken fuer die Biodiversitaet und die Landwirte mit einem Moratorium belegt. Trotzdem ueberlegen einige Regierungen, derartige Pflanzen freizusetzen“, sagt Silvia Ribeiro, Direktorin der ETC Group fuer Lateinamerika.

Die Organisationen, die den Aufruf gestartet haben, wollen jetzt weitere Unterstuetzer mobilisieren und das Thema auf die Tagesordnung eines Treffens der Mitgliedslaender des Cartagena-Protokolls bringen. Die Delegationen dieser Laender treffen sich September/Oktober 2014 in Suedkorea.

Die Veroeffentlichung des Aufrufs faellt auf einen besonderen Tag: Vor genau 25 Jahren, am 16. Mai 1989, wurde in Deutschland zum ersten Mal ein Freisetzungsversuch mit gentechnisch veraenderten Pflanzen genehmigt. Damals wurden in Koeln gentechnisch veraenderte Petunien angepflanzt. Der Versuch zeigte schon damals, wie unberechenbar die Gentechnik ist: Bei hoeheren Temperaturen wechselten die Bluetenblaetter spontan ihre Farbe.

Quelle

Testbiotech e.V. 2014

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