IRENA: Erneuerbare Energien setzen sich durch
Trotz eines Rekordwachstums im Jahr 2025 muss die Welt laut einem offiziellen Bericht in den Jahren 2026 bis 2030 mehr Kapazitäten für erneuerbare Energien aufbauen als in allen bisherigen Jahren zusammen.
Mit einer installierten Leistung aus erneuerbaren Energien von insgesamt 5,15 Terawatt (TW) zum Ende des Jahres 2025 kann die Welt zwar die Lücke zu den vereinbarten Energiezielen noch schließen, jedoch muss dies deutlich schneller geschehen.
Die Kapazitäten erneuerbarer Energien sollen bis 2030 auf 11,2 TW verdreifacht werden. Dazu muss sich die installierte Leistung gegenüber dem heutigen Stand mehr als verdoppeln. Trotz eines Rekordzuwachses von 693 Gigawatt (GW) erneuerbarer Energieleistung im Jahr 2025 müsste sich das jährliche Wachstum zwischen 2026 und 2030 auf durchschnittlich 1 200 GW beschleunigen.
Der Bericht, der von der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA), der Türkei als Vorsitz der COP31 und der Global Renewables Alliance (GRA) während der Climate Week NYC veröffentlicht wurde, ist die dritte Bestandsaufnahme der Fortschritte auf dem Weg zu den richtungsweisenden Energiezielen, die im Rahmen des Konsenses der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE-Konsens) auf der COP28 festgelegt wurden.
In dem Bericht in englischer Sprache „Delivering on the UAE Consensus: Tracking progress toward tripling renewable energy capacity and doubling energy efficiency by 2030“ wird zudem aufgezeigt, dass sich die Energieintensität im Jahr 2025 um rund 2 % verbessert hat. Dies liegt weit unter den 4 %, die zur Erreichung des im VAE-Konsenses festgelegten Energieeinsparungsziels erforderlich wären.
Neben anhaltenden Engpässen hinsichtlich Investitionen, Netzausbau und Elektrifizierung werden Chancen und Fortschritte hervorgehoben. Gleichzeitig werden die politischen Entscheidungsträger nachdrücklich aufgefordert, im Vorfeld der UN-Klimakonferenz COP31 in Antalya, Türkei, entschlossener zu handeln:
• Netzausbau: 2026–2030 Investitionen in Höhe von jährlich fast 1 Billion US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2025
• Einsatz effizienter elektrischer Technologien: mehr Batterien, Speicherkapazitäten und Flexibilität, um den steigenden Bedarf zuverlässig zu decken
• Ausbau rund um die Uhr verfügbarer erneuerbarer Energien: Kombination von Solar-, Windenergie- und Speichertechnologien, um eine stabile, kostengünstige und rund um die Uhr verfügbare Stromversorgung sicherzustellen
• Nutzung künstlicher Intelligenz (KI): Einsatz von Digitalisierung und KI, um den steigenden Bedarf mit einer Versorgung mit sauberem Strom und einem intelligenteren Anlagenbetrieb in Einklang zu bringen
António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen: „Jahr für Jahr werden mit der Beschleunigung der Energiewende im Bereich der erneuerbaren Energien Rekorde gebrochen. Wir müssen jedoch noch weiter und schneller voranschreiten, um die Engpässe zu beseitigen, die die Energiewende verzögern, um Investitionen in Entwicklungsländer zu lenken und um unsere Abhängigkeit von instabilen fossilen Brennstoffen ein für alle Mal zu überwinden.“
Francesco La Camera, Generaldirektor der IRENA, dazu: „Erneuerbare Energien können die Lücke bis 2030 noch schließen, doch die Energieeffizienz hinkt hinterher, der Strombedarf steigt schneller als erwartet und die Netzinfrastruktur hat mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien nicht Schritt gehalten. Angesichts der Anzeichen, dass sich auch der Kapazitätsausbau verlangsamen könnte, müssen wir unsere Ambitionen in Bezug auf das 1,5°C-Ziel einer Realitätsprüfung unterziehen. Der überarbeitete Fahrplan von IRENA macht deutlich: Wir müssen schneller vorankommen, schneller elektrifizieren und die Systeme aufbauen, die dies unterstützen. Das bedeutet eine rasche Ausweitung und Modernisierung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, der Netzinfrastruktur, der Speicherkapazitäten und der Flexibilität dieser Technologien. Die Elektrifizierung mit erneuerbaren Energien ist einer der wirksamsten politischen Hebel, um weitere Maßnahmen zu beschleunigen und voranzutreiben.“
Der designierte Vorsitz der COP31 Murat Kurum: „Dieser Bericht zeigt, dass die Energiewende zwar voranschreitet, jedoch zu ungleichmäßig. Als COP31-Vorsitz stellen wir die Elektrifizierung in den Mittelpunkt unserer Agenda, da sie die Effizienz steigert, unsere Abhängigkeit von instabilen Energiemärkten verringert und für das Erreichen der bereits vereinbarten Klimaziele unerlässlich ist. In Antalya werden wir die Welt hinter einem neuen, wissenschaftlich fundierten Ziel vereinen: Bis 2035 sollen 35 % des Endenergieverbrauchs durch Strom gedeckt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir uns dringend auf Gebäude, Verkehr und Industrie konzentrieren, gestützt durch widerstandsfähige Stromnetze und Finanzmittel. Ich lade alle Akteure ein, sich hinter dieses Ziel zu stellen und ihre Lösungen nach Antalya mitzubringen.“
Chris Bowen, Australiens Minister für Klimawandel und Energie sowie Verhandlungsleiter der COP31, dazu: „Die auf der COP28 eingegangene Verpflichtung, den Anteil erneuerbarer Energien zu verdreifachen und die Energieeffizienz zu verdoppeln, hat einen klaren Weg in die Zukunft vorgezeichnet. Der aktuelle Bericht der IRENA zeigt, dass bei der Erreichung dieses Ziels noch nicht genügend Fortschritte erzielt wurden – und dass wir unsere Anstrengungen beschleunigen und Investitionen in die Elektrifizierung unterstützen müssen, von modernen Netzen und Speichersystemen bis hin zu sauberem, erschwinglichem und zuverlässigem Strom. Australien arbeitet eng mit der Türkei zusammen, um sicherzustellen, dass die COP31 eine ‚Elektrifizierungs-COP‘ wird.“
Ben Backwell, Vorsitzender der Global Renewables Alliance: „Wir erleben einen unumkehrbaren Wandel hin zu erneuerbaren Energien als dominierendem Wachstumsmotor der Wirtschaft. Die Dynamik ist auf unserer Seite, und dies markiert den Beginn einer neuen Ära in der Energiewende. Jüngste geopolitische Erschütterungen haben Volkswirtschaften weltweit bedroht und die Energiesicherheit wieder ganz oben auf die globale Agenda gesetzt. Erneuerbare Energien bieten uns einen Weg zur Sicherheit, indem die Abhängigkeit von importierten Brennstoffen verringert wird, qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden und das Wachstum angekurbelt wird. Es wurden erstaunliche Fortschritte erzielt: Im Jahr 2025 wurden mehr erneuerbare Energien ausgebaut als je zuvor – wodurch sich die Lücke zu einer Verdreifachung der Kapazitäten verringert hat. Wir haben jedoch noch einen weiten Weg vor uns, um bis 2030 mehr Kapazitäten zu installieren als in allen bisherigen Jahren zusammen. Die Regierungen müssen einen Gang höher schalten und den Ausbau der erneuerbaren Energien ab sofort als dringende wirtschaftliche Staatsmaßnahme einstufen. Das bedeutet, gemeinsam mit der Wirtschaft Hindernisse für Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien zu beseitigen – durch den Ausbau der Netze, den Einsatz von Speichersystemen und die Elektrifizierung von Haushalten, Verkehr und der Industrie im weiteren Sinne. Der Gewinn ist enorm: stärkere Volkswirtschaften, größere Energiesicherheit und ein besseres Leben.“
Erreicht man dieses hohe Ziel, würde es einen großen strukturellen Wandel im weltweiten Stromsystem bedeuten, während der Ausbau erneuerbarer Energien bereits mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit voranschreitet.
Erneuerbare Energien sind 2025 in den meisten Märkten die kostengünstigste Quelle für neuen Strom. Insbesondere die Installation von Solartechnologie verzeichnet kontinuierlich neue Rekordwerte und wird so zum Rückgrat der weltweiten Energiewende. Dabei werden sich die durchschnittlichen jährlichen Nettokapazitätszuwächse bis 2030 gegenüber dem Niveau von 2025 voraussichtlich verdoppeln.
Bis 2030 würden fluktuierende erneuerbare Energien wie Solar- und Windenergie die Gesamtkapazität fossiler Brennstoffe überholen und rund 62 % der gesamten installierten Leistung ausmachen – ein Anstieg gegenüber 35 % im Jahr 2025, wie der neue Bericht bestätigt.
Da zudem die Kosten für Batteriespeicher zwischen 2024 und 2025 um 30 % und seit 2010 um unglaubliche 95 % gesunken sind, spielt die Energiespeicherung eine entscheidende Rolle bei der Sicherstellung zuverlässiger, auf erneuerbaren Energien basierender Stromversorgungssysteme.
Folglich setzen sich rund um die Uhr verfügbare erneuerbare Energien – die Kombination aus Solarenergie und Speicherkapazitäten am selben Standort – zunehmend durch und machen im Jahr 2025 etwa ein Viertel der weltweit in Betrieb genommenen großen Solarkraftwerke aus.
Die Elektrifizierung spielt eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung des VAE-Konsenses, die Energieeffizienzsteigerung bis 2030 weltweit zu verdoppeln. Entscheidend ist, dass die Elektrifizierung mit zunehmender Stromversorgung aus erneuerbaren Energien durch verbesserte Effizienz und eine geringere Emissionsintensität beim Energieverbrauch zu einem Multiplikator für die Dekarbonisierung wird.
Mit Blick über das Jahr 2030 hinaus wird eine weitere Beschleunigung erforderlich sein, um die weltweite Elektrifizierung bis 2035 auf 35 % zu steigern – ein Fahrplan, der derzeit auf der Tagesordnung der COP31 diskutiert wird und einen klaren Maßstab für den Ausbau einer effizienten, auf erneuerbaren Energien basierenden Elektrifizierung in allen Endverbrauchssektoren liefern könnte.
- Lesen Sie den Bericht in englischer Sprache „Delivering on the UAE Consensus: Tracking progress toward tripling renewable energy capacity and doubling energy efficiency by 2030“.








