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Ölpreis ab 2013 bei 150 US$?

Risiken in der Ölversorgung steigen – Kommunen und Unternehmen sollten sich auf Ölpreis von 150 US$ vorbereiten.

Seitdem Europa sein Ölfördermaximum 2002 überschritten hat, sinkt die europäische Eigenversorgung mit Mineralöl. Im Vergleich zu 2002 wird 2013 nur noch die halbe tägliche Menge gefördert. Seit Erreichen des europäischen Förderplateaus 1996 haben sich die Ölpreise auf dem Weltmarkt verfünffacht und die Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferanten hat stark zugenommen. Damit steigt für die europäischen Unternehmen und Kommunen das Risiko, von Ölkrisen getroffen zu werden.

„Die meisten Unternehmen sind nicht darauf eingestellt, mit Kraftstoffpreisen von 2 Euro pro Liter umzugehen“ sagt Norbert Rost, Leiter des Büro für postfossile Regionalentwicklung. „Auch die kommunalen Strukturen sind für Spritpreise von maximal 1,80 Euro ausgelegt. Einen Anstieg der Nutzerzahlen um 30% würde kaum ein ÖPNV-Betrieb verkraften“ sagt Rost und verweist auf den Verkaufssprung von ÖPNV-Zeitkarten in Mailand, nachdem dort die Kraftstoffpreise auf 2 Euro pro Liter gestiegen waren.

Neue Risiken sind auf den Ölmärkten aufgetaucht. Dazu gehören militärische Auseinandersetzungen, die teilweise im Cyber-Raum stattfinden. „Der saudische Ölkonzern Saudi Aramco war im August Opfer eines Computervirus, der die Festplatten sämtlicher Büro-PCs gelöscht hat. Zwar wurde die Ölförderung selbst nicht betroffen, doch die Zahl solcher Angriffe nimmt zu“, so Rost.

Katars Gasförerer RasGas wie auch iranische Ölterminals waren in der jüngeren Vergangenheit ähnlichen Angriffen ausgesetzt. Ein Ausfall eines größeren Öllieferanten könnte den Ölpreis schnell auf 150 US$ pro Barrel steigern, was an deutschen Tankstellen die 2-Euro-Marke knacken könnte. Die elektronischen Angriffe sind als Teil eines bereits laufenden kriegerischen Konflikts im Nahen Osten zu betrachten, dessen größtes Risiko in der Zerstörung von Ölinfrastrukturen und einer Blockade der Straße von Hormuz besteht. Durch diese Meeresenge fließen ein Viertel des weltweit exportierten Öls, eine weltweite Ölkrise wäre die zwangsläufige Folge.

Unternehmen und Kommunen sind diese Risiken selten bewusst und sie werden in den strategischen Planungen kaum berücksichtigt. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass durch die Abnahme freier Förderkapazitäten die Ölpreise ab 2013 auf 150 US$ steigen und in den Folgejahren noch höher ausfallen können. Eine konsequente Anpassungsmaßnahme wäre, den Mineralölverbrauch in Kommunen und Unternehmen mindestens in dem Maße sinken zu lassen, wie die Eigenförderung Europas sinkt: um ca. 6% pro Jahr.

Bürgermeistern empfiehlt Rost, Verkehrs- und Stadtentwicklungsplanungen auf die Kompatiblität mit steigenden Ölpreisen zu prüfen. Unternehmer sollten Szenarien durchspielen, wie widerstandsfähig Lieferanten, Logistik, Mitarbeitertransport und Absatzmärkte auf steigende Ölpreise reagieren.

„Die Höhepunkte in den Ölförderkurven sind Signale, die den Abstieg vom Gipfel der fossilen Energiezufuhr andeuten“, warnt Norbert Rost. Dieser Abstieg ist langfristig unausweichlich und bedarf rechtzeitiger Anpassungsmaßnahmen.

Unter Fachleuten wird dieser Förderhöhepunkt und seine Auswirkungen unter dem Stichwort „Peak Oil“ diskutiert. Seit 2006 ist der Peak Oil der weltweiten konventionellen Ölförderung erreicht, warnt selbst die Internationale Energieagentur.

Quelle

Norbert Rost 2012Regionalentwicklung.de 2012

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