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© Sonnenseite

Wärmebild in Bürgerhand

Als bundesweit erste Gemeinde beseitigt Lohfelden die Hürden bürokratischer Energieberatungsprogramme und gibt seinen Bürgern die Thermographie selbst in die Hand.

Thermographie macht die für das menschliche Auge sonst unsichtbare Wärmestrahlung sichtbar. Sie ist damit die anschaulichste und direkteste Methode, um von außen und innen Wärmeverluste und Schwachstellen in der Dämmung und Anlagentechnik unter die Lupe zu nehmen. Also neben der Fassade auch die Ortung von Temperaturlecks an Kesseln, Speichern und in der Verteilung.

Bisher haben die hohen Anschaffungskosten der Thermographiekameras ihren Einsatz begrenzt. Sie mussten entweder teuer ausgeliehen werden oder waren nur indirekt und bürokratisch über die Energieberatungsprogramme zu bekommen. Die Gemeinde Lohfelden startet jetzt ein neues Programm und gibt ihren Bürgern die Kameras gleich selbst in die Hand.

Im Vorfeld hatte es einigen Widerstand und Befürchtungen gegeben. Laien könnten die Thermographiebilder doch gar nicht interpretieren, dafür bräuchte es Experten. Dabei gibt es wohl keine anschaulichere Technik, um vorhandenen Wärmeverluste zu zeigen und den ersten Schritt zur energetischen Sanierung zu tun. Befürchtet wurde auch, Hausbesitzer könnten mit der Kamera in der Hand Handwerkerleistungen zu kritisch unter die Lupe nehmen.

Über diese Befindlichkeiten setzte sich der Gemeinderat jetzt hinweg und beschloss das Projekt zu starten. Bürger können sich die Kamera bei der Gemeinde kostenfrei ausleihen. Dahinter steht das Anliegen, die Sanierungsquote anzukurbeln und dem hohen Energieverbrauch im Gebäudebestand beizukommen. Denn die Quote liegt in Lohfelden, ähnlich wie im Bundesdurchschnitt, zur Zeit bei nur rund 1 Prozent pro Jahr. Doch ein Altbau verbraucht, besonders für die Wärmeerzeugung, im Schnitt immer noch dreimal so viel Energie wie ein Neubau. Und bei einer durchdachten Sanierung ist noch viel mehr drin, wie wie die Projektstudie „Energetische Gebäudesanierung mit Faktor 10“ zeigt.

Die Gemeinde hat die Förderung der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden in ihrem Energiekonzept Lohfelden „CO2-neutral bis 2030“ zum Ziel gemacht. Das niedrigschwellige Angebot, sich per Thermographie selbst ein Bild von den Wärmeverlusten zu machen, soll so auch dazu beitragen, die Sanierungsquote auf 3 Prozent pro Jahr zu erhöhen. Wichtig in der politischen Diskussion sind dabei auch der Wertschöpfungsfaktor und neue Arbeitsplätzen für die regionale Bauwirtschaft. Von den 6635 Wohnungen der Gemeinde sind 75 Prozent älter als 30 Jahre und sanierungsbedürftig. Eine Chance, die nicht verstreichen soll, ohne dass die Gebäude dabei auch energetisch auf Stand gebracht werden.

Quelle

Telepolis | Matthias Brake 2013

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