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© pixelio.de | Tom Kleiner |

Holznutzung in Europa

Weil Holz als klimafreundlicher, erneuerbarer Rohstoff gilt, ist der Verbrauch in der EU stark angestiegen. Europas Wälder speichern deshalb sehr viel weniger CO2, als sie könnten.

Holz liegt im Trend. Der nachwachsende Rohstoff gilt als CO2-neutral und klimafreundlich. Seine Nutzung verspricht eine günstige und effiziente Möglichkeit, die Treibhausgasemissionen zu senken und die Klimakrise einzudämmen.

Holz dient als Ersatz für fossile Brennstoffe und viele weitere Produkte, von der Papiertüte, die den Plastikbeutel ersetzt, über T-Shirts aus Holzfasern statt Baumwolle bis zu Häusern aus Holz statt Stahl und Beton. Wer Holz nutzt, so scheint es, rettet damit immer auch ein bisschen das Klima.

Der Holzverbrauch ist denn auch stark angestiegen. In der EU wuchs die Menge an „geerntetem“ Holz, so der Fachbegriff, in den vergangenen 20 Jahren um 24 Prozent. Die Produktion von Brennholz legte sogar um 43 Prozent zu.

Holzöfen und Pelletheizungen boomen. Europa ist mittlerweile sowohl der weltweit größte Produzent von Holzpellets als auch der größte Importeur.

Auch der Papierverbrauch steigt. Und Kraftwerke nutzen vermehrt Holz als alternativen Brennstoff, um ihre CO2-Bilanz aufzubessern.

Befeuert hat den wachsenden europäischen Hunger nach Holz auch die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU von 2009. Sie zählt zu den erneuerbaren Energien nicht nur Wind und Sonne, sondern auch Biomasse – und damit auch Holz. Und sie fordert explizit eine „verstärkte Mobilisierung bestehender Holzreserven“.

Genau das ist geschehen. Der mit Abstand größte Anteil an den erneuerbaren Energien in der EU – nämlich fast zwei Drittel – macht inzwischen die Biomasse aus, die Hälfte davon Holz. Dagegen kommen Wind, Sonne, Geothermie sowie Gezeiten- und Wellenkraftwerke zusammen nur auf 21 Prozent, Wasserkraft auf 14 Prozent.

Die Energiewende in Europa – und weltweit – wird damit nicht zuletzt durch das Verfeuern von Holz, Abfällen und Biokraftstoffen angetrieben.

Doch die Nutzung von Holz ist keineswegs so klimafreundlich, wie vielfach angenommen wird. Wird Holz verbrannt, wird zwar nur das CO2 freigesetzt, das der Baum zuvor aufgenommen hat. Ein CO2-neutraler Energieträger ist Holz dennoch nicht.

Denn bei der Waldbewirtschaftung, bei Holzeinschlag, Transport und Verarbeitung wird fossile Energie verbraucht. Die Gesamtemissionen liegen so um 20 bis 25 Prozent höher als die bei der Verbrennung direkt verursachten Emissionen.

Zudem werden vor allem Laubbäume zu Brennholz verarbeitet. Sie haben eine höhere Holzdichte und damit auch einen höheren Kohlenstoffanteil als Nadelbäume.

Durch den steigenden Holzverbrauch ist auch der Anteil an kurzlebigen Holzprodukten gestiegen. Das im Holz gespeicherte CO2 wird so schon nach kurzer Zeit freigesetzt und belastet die Atmosphäre.

Hier können Sie den Bericht weiterlesen

  • Schlechte Klimabilanz – Wird Holz verbrannt, ist es keineswegs sauberer als fossile Brennstoffe. Weil es mehr Wasser enthält und eine niedrigere Brenntemperatur hat, entsteht dabei pro Kilowattstunde an produziertem Strom 1,5-mal so viel CO2 wie bei Kohle und dreimal so viel wie bei Gas.
  • Beispiel Deutschland – Laut Projektionsbericht der Bundesregierung von 2019 haben Deutschlands Wälder im Jahr 1990 noch 75 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent gespeichert. Durch die intensivierte Bewirtschaftung ist die Senkenwirkung auf derzeit nur noch elf Millionen Tonnen gesunken. Der gesamte sogenannte LULUCF-Bereich (Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft) hat sich im Zeitraum zwischen 2016 und 2020 von einer Senke in eine Quelle für Treibhausgase entwickelt. Die Senkenleistung des Waldes kann die Emissionen der anderen Landnutzungen (Ackerland, Grünland, Feuchtgebiete, Siedlungen) nicht mehr kompensieren.
  • Kohleausstieg wird zum Holzeinstieg | Pellets mit schmutzigem Geheimnis

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Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Verena Kern) 2020 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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