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Anna Holzamer hat mit 19 gerade die Schule beendet. Sie befürchtet: "Für dieses Konjunkturprogramm zahlen wir Jungen doppelt: wir müssen die Schulden zurückzahlen und auch für die ökologischen Schäden, die damit angerichtet werden." © zdf.de

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes forsa halten 97 Prozent der Befragten die Nutzung und den Ausbau Erneuerbarer Energien für wichtig oder sehr wichtig. © irena.org

Die Photovoltaikanlagen wandeln Licht in Strom um, der ser dann ins öffentliche Netz eingespeist und vergütet wird. Hätten alle Ein- und Zweifamilienhäuser Deutschlands Solarzellen auf dem Dach, könnten sie 42 Gigawatt Strom produzieren. © glaswelt.de

Der Wissenschaftspark Gelsenkirchen verfügt über ein eigenes Solarstromkraftwerk © wipage.de

In solarthermischen Kraftwerken wird Sonnenlicht mit Hilfe von Spiegelsystemen gebündelt und zur Stromerzeugung genutzt. © dlr.de
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:: So ist unsere ERDE noch zu retten

HÖRZU Zukunftsreport 1/3: In der ersten Folge unserer neuen dreiteiligen Serie beschreibt Umwelt-Experte Franz Alt, wie wir Alternative Energien nutzen können.

Anna Holzamer macht sich Sorgen um ihre Zukunft. Das hat die 19-jäh­rige Abiturientin auch ganz laut aus­gesprochen: Als sie ein Praktikum beim Umweltschutzverband BUND absol­vierte, wurde sie in die Talkshow von Mayb­ritt Illner eingeladen und von der Moderato­rin gefragt, was sie vom 50-Milliarden-Kon­junkturpaket der Bundesregierung halte. An­na Holzamer sagte, dass diese Schulden die Zukunft ihrer Generation belasten, und woll­te von den anwesenden Politiker wissen, wie sie diese Schulden und den Klimawandel ge­genüber künftigen Generationen verantwor­ten könnten? Die Abitu­rientin hatte sehr präzi­se gefragt –erhielt in der Sendung abe nur aus­weichende Antworten.

 

Wir wollen in diesem HÖRZU-Zukunftsreport Antworten auf die Fra­gen der jungen Genera­tion von heute finden: Wo sind die Arbeits­plätze von morgen? Wie sieht die Welt durch den Klimawandel im Jahr 2050 aus? Gibt es auch in Zukunft ausreichend alternative Energien? Können wir ohne Öl und Benzin noch Auto fahren? Haben wir auch morgen noch genug Nahrung und Wasser?

 

Wenn wir auf diese Fragen der Jugend keine Antworten finden, könnte der soziale Frieden in Deutschland und Europa schneller verge­hen als die Eisberge in der Arktis schmelzen. Noch leben wir in einem System kollektiver Verantwortungslosigkeit gegenüber unseren Kindern und Enkeln. Wenn es am Tag, an dem Sie diese Zeilen le­sen, eine sozial und ökologisch realistische Tagesschau gäbe, dann müssten meine Ham­burger Kollegen heute Abend unter anderem darüber berichten, dass wir auch heute wieder viele Tiere und Pflanzen ausgerottet, tonnen­weise fruchtbaren Boden vernichtet und je­de Menge Treibhausgase in die Luft geblasen haben (siehe Kasten Seite 10). Dasselbe ma­chen wir morgen und übermorgen, jeden Tag der nächsten Woche und des nächsten Jah­res. An einem Tag verbrennen wir heute an Kohle, Gas und Öl, was die Natur in einer Mil­lion Tagen mühsam angesammelt hat. Wir verbrennen und verbrauchen die Zukunft un­serer Kinder und Enkelkinder.

 

Deshalb wird es global immer wärmer, des­halb schmelzen die Gletscher und steigt der Meeresspiegel, deshalb nehmen die Stürme zu, und immer mehr Menschen müssen als Klimaflüchtlinge ihre Heimatländer verlas­sen. Die UNO schätzt, dass bis 2020 etwa 200 Millionen Menschen als Umweltflüchtlinge über unseren Planeten irren werden. Schon heute ist es global wärmer als je zuvor in den letzten 450.000 Jahren. Doch bis 2100 könn­te es nochmal um vier bis acht Grad wärmer werden, prophezeien die Wissenschaftler – wenn wir alles verbrennen, was heute noch im Boden ist. Sind wir noch zu retten? Kann Anna Holzamer und ihre Generation noch auf eine gute Zukunft hoffen?

 

Viele Eltern-Generationen wünschten bis­her: „Unsere Kinder sollen es einmal besser haben als wir“. Ist solch ein Elternwunsch heute überhaupt noch realistisch? Oder müs­sen die jungen Leute erst eine „68-er Revolu­tion“ anzetteln, bis die heute Verantwortli­chen endlich aufwachen? Schließlich haben wir diese Welt nicht von unseren Eltern ge­erbt, sondern sie von un­seren Kindern geliehen. Und nun wollen wir ihnen als Heimat ein überhitztes Treibhaus hinterlassen? Im Treibhaus lebt es sich nicht gut. Doch noch im­mer gilt der Satz: Wir wis­sen zwar schon lange, was wir tun, doch wir tun immer noch nicht, was wir wissen.

 

Noch haben wir jedoch die Chance, wenigs­tens das Schlimmste zu verhindern. Darum soll es in diesem Zukunftsreport gehen. Die Rettungsmaßnahmen kommen zwar lang­sam, aber sie kommen. Darüber wird freilich deutlich weniger berichtet als über die spek­takulären Katastrophen. Das Fällen eines Baumes hat eben schon immer mehr Lärm gemacht als das Wachsen eines Baumes. Fäl­len geht plötzlich und laut, aber Wachsen geht leise und langsam und weniger spekta­kulär. Doch wo Gefahr ist, wächst ja bekannt­ bekannt­lich das Rettende auch.

 

Die alles entscheidende Frage für die Zukunft des Lebens ist die Energiefra­ge. Ohne Energie gibt es kein Leben, keinen Fortschritt, keinen Wohl­stand und keine Überwindung des Hungers. Doch die heutigen Energiequellen gehen in den nächsten Jahrzehnten allesamt zu Ende. Hinzu kommt, dass Kohle, Gas und Öl den Treibhauseffekt verursachen, Atomkraftwer­ke gefährlich sind und niemand weiß, was mit den nuklearen Abfällen geschehen soll. Also brauchen wir so rasch wie möglich den hundertprozentigen Umstieg auf erneuerba­re, umweltfreundliche, ewig vorhandene und dazu noch preiswerte Energiequellen.

 

Bei diesem dringend notwendigen Umstieg gab es in den letzten Jahren größere Fort­schritte, als allgemein bekannt ist. Wir Jour­nalisten haben über diese positiven Entwick­lungen bisher einfach zu wenig berichtet. Kaum jemandem ist beispielsweise bewusst, dass das Bundesland Schleswig-Holstein schon in absehbarer Zeit mehr Ökostrom produzieren wird, als alle seine Bürger zu­sammen verbrauchen. Kaum jemadn weiß, dass es schon so genannte „grüne Städte“ gibt, deren Stadtwerke bereits heute aus­schließlich erneuerbare Strom im Angebot haben (siehe auch Infokasten unten).

 

Ich weiß, worüber ich schreibe. Denn wir ha­ben seit 18 Jahren zwei Solaranlagen auf un­serem Hausdach in Baden-Baden. Eine pro­duziert Wärme mit der Sonne und die ande­re Solarstrom. Auf einem Altbau aus den Siebzigern des letzten Jahrhunderts gewin­nen wir damit doppelt so viel Strom wie eine durchschnittliche deutsche Familie ver­braucht. Und ich kann Ihnen versichern, dass uns die Sonne in diesen 18 Jahren noch nie eine Rechnung geschickt hat. Für die nächs­ten Wochen ist zusätzlich eine Pellet-Anlage bestellt – Holzpellets sind gespeicherte Son­nenenergie. Wir sind dann komplett ener­gieautonom und nutzen zur Strom- und Wär­megewinnung ausschließlich umweltfreund­liche Energie ohne Treibhausgase zu produ­zieren. Und die Sonne wird noch etwa fünf Milliarden Jahre die Energie zur Verfügung stellen, die alle Menschen auf dieser Erde ins­gesamt benötigen.

 

Eigentlich gibt es gar kein Energieproblem, wenn wir uns nur ein klein wenig intelligen­ter verhalten würden als bisher. Denn die Sonne schickt uns jeder Sekunde unseres Hierseins 10.000-mal mehr Energie als zur­zeit alle Menschen verbrauchen. Die Lösung des Energieproblems steht am Himmel. Wa­rum aber stehen die meisten deutschen Dä­cher noch völlig ungenutzt in der Gegend he­rum? Warum mehmen wir das Angebot von oben so wenig an? Warum holen wir Öl aus Arabien, Gas aus Sibirien und Uran aus Aus­tralien, aber die heimische Sonne, den hei­mischen Wind, die heimische Erdwärme, die heimische Wasserkraft und die heimische Bioenergie nutzen wir kaum?

 

Der Freiburger Solararchitekt Rolf Disch hat bereits 60 Häuser gebaut, die allein mit So­laranlagen doppelt so viel Strom produzieren wie die Bewohner benötigen. Das ist für je­den umsetzbar: Jedes Haus kann in Zukunft seinen Energie selbst organisieren. Millionen Hausbesitzer, Landwirte, Handwerker und der Mittelstand sind die Träger der künftigen umweltfreundlichen, autarken Energiever­sorgung. Der hundertprozentige Umstieg auf Erneuerbare Energie wird in Deutschland zu einer Million neuer Arbeitsplätze führen und in der Europäischen Union sogar zu fünf Mil­lionen Stellen. Das hat eine Berechnung der Europäischen Kommission in Brüssel erge­ben. Neue Energie bedeutet viele neue Ar­beitsplätze. Worauf warten wir als o noch?

 

Uns stehen alle Möglichkeiten offen: Eine Studie der Universität Osnabrück hat bei­spielsweise ergeben, dass sich Städte wie Os­nabrück oder Münster ihren Privatstrom zu 72 Prozent über die Sonne besorgen können. Die meisten deutschen Dörfer erreichen so­gar einen Wert von 100 Prozent, weil es auf dem Land mehr Dachflächen gibt als in Städ­ten. Die ersten Kommunen stellen Solarka­taster ins Internet, über die Bürger sich infor­mieren können, ob ihr Hausdach für Solar­energie geeignet ist oder nicht.

 

Deutschland ist erneuerbar. Europa ist er­neuerbar. Die Welt ist erneuerbar. Es gibt kein einziges Land auf dieser Erde, das sich nicht zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie ver­sorgen kann. Darum: Bürger, zur Sonne, zur Freiheit! Anna Holzamer kann noch hoffen. Wenn wir schnell handeln. Jetzt!

 

HÖRZU Zukunftsreport: So ist unsere ERDE noch zu retten 1/3

HÖRZU Zukunftsreport: Stadt von Morgen 2/3

HÖRZU Zukunftsreport: Arbeitgeber Umwelt 3/3

Quelle:

© Franz Alt 2009

Erstveröffentlichung HÖRZU Nr. 42/2009

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Zukunfts-Report von Franz Alt

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