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:: Wofür steht das Judentum heute?
Was ist daraus geworden? Wofür steht das Judentum heute? Am gleichen Tag, als Helen Suzman starb, bombardierte die Armee des jüdischen Staats Israel die nicht-jüdische Stadt Gasa. Ein Kommentar von Rolf Verleger.
Helen Suzman starb in hohem Alter am Neujahrstag 2009. Sie war 36 Jahre lang Abgeordnete im südafrikanischen Parlament und dort stand sie auf, als einzige Gegnerin der Apartheid - eine "Verräterin" in den Augen ihrer weißen Parlamentskollegen.
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Sie war ein leuchtendes Beispiel für die Rolle von uns Juden in der Politik der westlichen Länder: Spätestens beginnend mit Moses Mendelsohn, dem von Lessing in "Nathan der Weise" ein literarisches Denkmal gesetzt wurde, waren viele Juden Vorkämpfer für Demokratie, Menschenrechte und Toleranz.
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Was ist daraus geworden? Wofür steht das Judentum heute? Am gleichen Tag, als Helen Suzman starb, bombardierte die Armee des jüdischen Staats Israel die nicht-jüdische Stadt Gasa.
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"Ist es nicht richtig, Gasa zu bombardieren?" sagen die meisten Israelis und auch die große Mehrheit der vernehmbaren jüdischen Stimmen in Deutschland. "Hat ein Staat nicht das Recht, das Leben seiner Bürger vor terroristischer Bedrohung zu schützen?"
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Die Antwort auf diese Frage ist nicht schwer. Stellen Sie sich vor, in Ihre Wohnung zieht eine Familie als Untermieter ein. Diese Untermieter werden immer mehr, nehmen sich ein Zimmer nach dem anderen, renovieren wunderschön ihre Zimmer und das Bad. Sie selbst dürfen das Bad nicht mehr benutzen, Ihre einzige Waschgelegenheit ist das Handwaschbecken im Klosettraum, kochen können Sie nur noch mit Erlaubnis der Untermieter. Also beginnen Sie sich dagegen zu wehren. Es endet damit, dass immer einer der Untermieter Sie am Boden hält und auf Ihnen draufsitzt. Dürfen Sie dann noch nach den andren Untermietern mit herumliegenden Messern oder Nadeln werfen? Haben diese Untermieter das Recht und die heilige Pflicht, sich gegen diese Messer und Nadeln zu wehren?
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Von der Antwort auf diese Frage wird die Antwort auf eine andere Frage abhängen, nämlich: Ist die Rolle des Judentums als Vorkämpfer für Demokratie, Menschenrechte und Toleranz mit der Generation von Helen Suzman zu Ende gegangen?
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In Deutschland stellt sich noch eine andere Frage. Stellen Sie sich vor, Sie stehen da am Handwaschbecken im Klo und putzen ihr Gemüse, während die Untermieter Party machen, da kommt die Managerin der Nachbarwohnung und erklärt Ihnen, dass die Untermieter bei Ihnen nur deswegen eingezogen sind, weil deren Freunde und Verwandte bei ihr in der Nachbarwohnung alle umgebracht wurden. Und später liegen Sie da am Boden, werfen mit Nadeln, und die Managerin der Nachbarwohnung schaut wieder rein und sagt, Sie seien doch selbst schuld.
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Kein Politiker, mit Ausnahme von Norman Paech, dem meine tiefempfundene Hochachtung gebührt, traut sich, etwas anderes zu sagen als "Die Palästinenser sind selbst schuld."
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Wieviel Angst anzuecken, wieviel Lüge aus "politischer Korrektheit", wieviel Scheinheiligkeit verträgt die deutsche Demokratie? Tun die deutschen Politiker uns Juden wirklich einen Gefallen, wenn Sie Israels Militär und seine faschistischen Siedler mit dem Judentum verwechseln?
Prof. Dr. Rolf Verleger ist Psychologe an der Universität Lübeck. Er baute die Jüdische Gemeinde Lübeck und den Landesverband Schleswig-Holstein mit auf und ist seit 2006 Delegierter des Landesverbands im Zentralrat der Juden in Deutschland.
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