Eine Welt
© FOTOLIA - Axel Wolf
Mehr zum Thema Menschenrechte auf der Sonnenseite:
|
Artikel 165 von 292
:: China: Wirtschaftswunder mit Gewalt und Zensur
Die ganze Welt bestaunt das chinesische Wirtschaftswunder. Weniger bekannt ist der Preis, mit dem das zehnprozentige Wirtschaftswachstum pro Jahr seit 1985 erkauft wird: Unvorstellbare Umweltzerstörung, brutalste Menschenrechtsverletzungen und zunehmende soziale Spannungen im Reich der Mitte.
Das jüngste Opfer brutalen Vorgehens der Kommunistischen Partei Chinas gegen unbequeme Geister ist der Bauer Fu Xiancai, der uns für die ARD vor kurzem ein Interview gab. Der Bauer hat gar nichts gegen den großen Staudamm, den die Führung seines Landes in seiner Heimat am Jangtse bauen ließ. Fu Xiancai will nur die versprochene Entschädigung von 20.000 Euro. Doch die Obrigkeit zahlte ihm nur 7000 Euro.
Â
Darüber beschwerte er sich wie viele tausend andere Chinesen zunächst bei seiner Partei. Vergeblich. Doch dann erzählt er seine Geschichte in eine ARD-Kamera - und wurde nur wenige Stunden danach brutal zusammengeschlagen. Dabei brach er sich einen Halswirbel und ist seither gelähmt. Kein Einzelfall im großen China - eher Alltag. Hunderttausende Menschen müssen in China an Brücken, Straßen und Staudämmen dem chinesischen Wirtschaftswunder weichen. Sie rebellieren, weil die versprochene Entschädigung oft nicht bei ihnen, sondern in den Taschen kommunistischer Bonzen landet.
Â
Diese Praxis bietet immer neue Anlässe für wütende Proteste gegen die Obrigkeit. "Wenn die Kommunisten in Peking so weitermachen", sagte mir ein chinesischer Bauer, "suchen wir uns einen neuen Mao Tse-tung."
Â
Auf dem letzten Volkskongress musste die Partei zugeben, dass es im Jahr 2005 in Chinas Provinzen über 80.000 Aufstände unzufriedener Bauern gegeben hat. Tausende Anhänger der Faling Gong-Religion schmachten im Gefängnis, ebenso hunderte Katholiken, die dem Papst in Rom die Treue halten. Der Dalai Lama spricht von mehreren Hundert bekannten politischen Gefangenen in Tibet und noch mehr unbekannten.
Â
Dutzende Internet-Piraten, die es wagten, auch nichtparteikonforme Kommentare im Netz zu publizieren, sind eingesperrt. 50.000 Internet-Polizisten sind in China damit beschäftigt, alles, was der Kommunistischen Partei nicht passt, zu zensieren und aus dem Netz zu nehmen. User, die schneller sind als die Internet-Polizei, gelten heute unter Chinas Jugend als die neuen Helden - wie 1989 die Studenten am Platz des Himmlischen Friedens in Peking.
Â
Ich habe soeben in Shanghai, aber auch in Taiwan viele Chinesen kennen gelernt, die sehr beeindruckt davon waren, dass Angela Merkel Ende Mai nach ihrem Gespräch mit Präsident Hu in Peking auch zwei Internet-Dissidenten traf und danach in Shanghai den katholischen Bischof, der 26 Jahre lang in Gefängnissen drangsaliert worden war. Dieser Mut der deutschen Kanzlerin hat vielen Bürgerrechtlern Kraft zum Durchhalten gegeben.Â
Â
In Dingzhou bei Peking bestellte der örtliche Parteichef mehrere Gangster, die sechs Bauern erschlugen, weil sie ihr Land nicht für ein Kraftwerk hergeben wollten. Nach einem massenhaften Krebssterben in einem nordostchinesischen Dorf, wurden Einwohner verhaftet, weil sie mit westlichen Journalisten über ihr Leid gesprochen hatten.
Â
Folter auf den Polizeiwachen ist Alltag. In Tibet und bei anderen Minderheiten gibt es nach wie vor Zwangsabtreibungen, ja sogar Zwangstötungen von Neugeborenen, wenn Eltern bereits ein Kind haben, obwohl Tibetern mehrfach versichert worden war, dass für sie die Ein-Kind-Ehe nicht gilt. Als sich vor 14 Tagen in der Provinz Shangdong eine Familie bei einem Anwalt über Zwangsabtreibung beschwerte, wurde die Familie aus der Wohnung des Anwalts entführt - samt dreijährigem Sohn.
Â
Darüber beschwerte er sich wie viele tausend andere Chinesen zunächst bei seiner Partei. Vergeblich. Doch dann erzählt er seine Geschichte in eine ARD-Kamera - und wurde nur wenige Stunden danach brutal zusammengeschlagen. Dabei brach er sich einen Halswirbel und ist seither gelähmt. Kein Einzelfall im großen China - eher Alltag. Hunderttausende Menschen müssen in China an Brücken, Straßen und Staudämmen dem chinesischen Wirtschaftswunder weichen. Sie rebellieren, weil die versprochene Entschädigung oft nicht bei ihnen, sondern in den Taschen kommunistischer Bonzen landet.
Â
Diese Praxis bietet immer neue Anlässe für wütende Proteste gegen die Obrigkeit. "Wenn die Kommunisten in Peking so weitermachen", sagte mir ein chinesischer Bauer, "suchen wir uns einen neuen Mao Tse-tung."
Â
Auf dem letzten Volkskongress musste die Partei zugeben, dass es im Jahr 2005 in Chinas Provinzen über 80.000 Aufstände unzufriedener Bauern gegeben hat. Tausende Anhänger der Faling Gong-Religion schmachten im Gefängnis, ebenso hunderte Katholiken, die dem Papst in Rom die Treue halten. Der Dalai Lama spricht von mehreren Hundert bekannten politischen Gefangenen in Tibet und noch mehr unbekannten.
Â
Dutzende Internet-Piraten, die es wagten, auch nichtparteikonforme Kommentare im Netz zu publizieren, sind eingesperrt. 50.000 Internet-Polizisten sind in China damit beschäftigt, alles, was der Kommunistischen Partei nicht passt, zu zensieren und aus dem Netz zu nehmen. User, die schneller sind als die Internet-Polizei, gelten heute unter Chinas Jugend als die neuen Helden - wie 1989 die Studenten am Platz des Himmlischen Friedens in Peking.
Â
Ich habe soeben in Shanghai, aber auch in Taiwan viele Chinesen kennen gelernt, die sehr beeindruckt davon waren, dass Angela Merkel Ende Mai nach ihrem Gespräch mit Präsident Hu in Peking auch zwei Internet-Dissidenten traf und danach in Shanghai den katholischen Bischof, der 26 Jahre lang in Gefängnissen drangsaliert worden war. Dieser Mut der deutschen Kanzlerin hat vielen Bürgerrechtlern Kraft zum Durchhalten gegeben.Â
Â
In Dingzhou bei Peking bestellte der örtliche Parteichef mehrere Gangster, die sechs Bauern erschlugen, weil sie ihr Land nicht für ein Kraftwerk hergeben wollten. Nach einem massenhaften Krebssterben in einem nordostchinesischen Dorf, wurden Einwohner verhaftet, weil sie mit westlichen Journalisten über ihr Leid gesprochen hatten.
Â
Folter auf den Polizeiwachen ist Alltag. In Tibet und bei anderen Minderheiten gibt es nach wie vor Zwangsabtreibungen, ja sogar Zwangstötungen von Neugeborenen, wenn Eltern bereits ein Kind haben, obwohl Tibetern mehrfach versichert worden war, dass für sie die Ein-Kind-Ehe nicht gilt. Als sich vor 14 Tagen in der Provinz Shangdong eine Familie bei einem Anwalt über Zwangsabtreibung beschwerte, wurde die Familie aus der Wohnung des Anwalts entführt - samt dreijährigem Sohn.
Quelle:
Franz Alt 2006
Franz Alt 2006
|
Artikel 165 von 292
















