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:: Die Korallenriffe sind die Juwelierläden der Schöpfung

Dieses Buch ist noch kein Requiem auf die Korallen, aber eine Krankheitsbeschreibung, die jeden erschrecken lässt, der über die Schönheit der Korallen wieder das Staunen gelernt hat.

Das älteste Ökosystem der Erde, die Korallenriffe, ist vom Klimawandel bedroht. Andererseits ist das Absterben der Korallen ein deutlicher Indikator für den Klimawandel.

 

Der Biologe Professor Helmut Schuhmacher hat ein sehr schönes, eindrucksvolles, aber zugleich traurig machendes Buch über die bedrohte Korallenwelt geschrieben. Der frühere Direktor des Instituts für Ökologie an der Universität Essen beschreibt die Dringlichkeit, alles Erdenkliche zur Rettung des faszinierenden und artenreichen Lebensraums der Korallen zu tun.

 

Die Rettung der Riffe ist eine der wichtigsten Aufgaben im Umweltschutz. Ein stabiles Riff ist die Voraussetzung für eine artenreiche Fischfauna. Wer es gut meint mit der Zukunft der Menschen, muss es auch gut meinen mit der Zukunft der Korallenriffe. Dieser opulente Bildband mit einmalig schönen Fotos der Anders-Welt unter Wasser zeigt die bizarre Architektur und die wundervolle Pracht der Korallen an Farben und Formen sowie den phantastischen Reichtum der Riffe.

 

Riffe sind die „Oasen in den Wüsten der Meere“(Helmut Schuhmacher)

Korallen sind die „wahren Baumeister“ auf diesem Planeten, meint der Autor, der 40 Jahre diese Bauwerke im Meer, die „Städte unter Wasser“ studiert hat.

 

In der Tourismus-Branche werden Korallenriffe noch immer als „heile Welt“ verkauft. Doch diese einzigartige Unterwasserwelt ist seit langem weltweit bedroht. Korallenriffe säumen die Küsten von 109 Staaten. Mehr als 500 Millionen Menschen wohnen in der Nähe von Riffen, das heißt bis zu 100 Kilometer entfernt.

 

Für ihren Erhalt gibt es auch handfeste ökonomische Gründe. Korallenriffe sind Protein-Quelle für viele Millionen Menschen. Etwa 10% der gesamten Meeresfischerei stammen von Riffen. Der Artenreichtum der Riffe ist eine einmalige genetische Schatzkammer, deren Geheimnisse und Nutzen für die Medizin, aber auch für Werkstoffe, noch kaum erschlossen sind.

 

Am wichtigsten ist freilich ihr Wert als nachwachsender Küstenschutz, zum Beispiel bei Tsunamis. Aber auch „aus ästhetischen und ethischen Gesichtspunkten verdienen Korallenriffe als Ergebnis einer jahrmillionenlangen Evolution uneingeschränkten Schutz“, schreibt der Autor voller Hochachtung und Bewunderung gegenüber dem Gegenstand seiner Forschung.

 

Die Korallenriffe sind die Juwelierläden der Schöpfung

Das wusste schon der große Tauch-Pionier Hans Hass, der mit der Erfindung der Tauch-Ausrüstung das Tauchen und damit die noch vor 60 Jahren mystische Unterwasserwelt populär gemacht hat – vor allem über seine unvergesslichen Fernsehsendungen.

 

Besonders eindrucksvoll und eindringlich fanden wir, die wir selbst tauchen, das Schlusskapitel „Ausblick“ (siehe unten) des Schuhmacher-Bildbandes. Deshalb soll es hier auf der „Sonnenseite“ komplett abgedruckt werden.

 

Weinen möchte man freilich über den Bildern mit den bereits toten Korallen. Sie wirken wie Friedhöfe unter Wasser, auf denen man die Särge geöffnet hat. Solche Bilder sieht man nie in den Prospekten der Tourismus-Industrie.

 

Ein ganz wichtiges Buch, das jeder lesen sollte, der an die Zukunft seiner Kinder und Enkel denkt. © Bigi und Franz Alt

 

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Ausblick

Die Maßnahmen zur Vermehrung und Wiederansied­lung von Korallen sind notwendig, schärfen das Problembewusstsein und schaffen in manchen Fischerdörfern alternative Arbeitsplätze. Aber in ihrer Wirkung gleichen sie letztlich doch nur Tropfen auf einem heißen Stein. Zu weit ist die Degradation der Riffe fortgeschritten. 20 Prozent der Riffe weltweit sind bereits zerstört, weitere 35 Prozent sind sehr schwer geschädigt, lediglich 20 Prozent — zumeist versprengt im Pazifik und Roten Meer — zeigen sich noch in einem gesunden Zustand. Fallen die ökologischen Funktionen der Riffe aus, hat das weitreichende Dominoeffekte — sowohl wirtschaftlicher als auch sozialer Natur. Die Bewohner ganzer Inselstaaten (Tuvalu, Malediven u.a.), die am Klimawandel unschuldig sind, müssen auswan­dern, weil ihre Heimat im Meer versinkt.

 

Riffe können viele Tode sterben

Das "Drehen an einer Stellschraube" reicht daher nicht aus. Ein nachhaltiges Land- und Forstmanagement wird seit über 30 Jahren gefordert, um Sediment-, Nährstoff- und Pestizideinträge in die Küstengewässer zu reduzieren, aber noch immer geht kurzsichtiges Profitstreben vor weitsichtiges Handeln. Entsprechendes gilt für die Überfischung der Meere. Eine sofortige drastische Reduktion der CO2-Emissionen ist aus vielerlei Gründen unumgäng­lich. Doch schon wird alternatives »geo-engineering« ins Spiel gebracht, um den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien hinauszuschieben. Abenteuerliche

 

Ideen, z.B. durch die Manipulation der Wolkendecke die Sonneneinstrahlung zu reduzieren, würden im Übrigen das Versauerungsproblem nicht beheben.

Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 hat gezeigt, dass die Menschheit unfähig ist, sich auf Maßnahmen zu einigen, den Temperaturanstieg auf vielleicht noch tolerierbare 2 °C zu beschränken. Ein solcher würde einem CO2,-Gehalt von 450 ppm in der Atmosphäre gleichkommen und damit neben anderen Auswirkungen auch großen Stress für Korallen und Riffe bedeuten.

 

Die Herausforderungen sind aber viel größer

Es gilt, vom Fetisch Wachstum Abschied zu nehmen. Wachstum der Bevölkerung, Wachstum des Ressourcenverbrauchs, Wachstum des Mülls, Wachstum des Verkehrs verän­dern in gefährlicher Weise die Lebensbedingungen auf der Erde. Korallenriffe stellen zwar nur einen winzigen Bruchteil ihrer Lebensräume dar, sie fungieren aber als Frühwarnsystem. Wie der Kanarienvogel im Bergwerk zuerst ohnmächtig wurde und vor giftigen Gasen warnte, so ist der Kollaps der Korallenbauten als ein Menetekel unheilvoller ökologischer Verwerfungen weltweit zu sehen. Es gilt daher, den Niedergang der Riffe aufzu­halten — im ureigenen Interesse für eine lebenswerte Zukunft. © Helmut Schuhmacher

Quelle:

Sonnenseite 2011

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