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:: "Stromwechsel": Beweglich bleiben!

Ein Jahr ist es her: In Fukushima strahlt der Reaktor, Schwarz-Gelb macht kehrt bei der Laufzeitverlängerung, auf makabre Weise bringt die Katastrophe in Japan Deutschland eine neue atom- und klimapolitische Harmonie. Mit der Energiewende sehen vier Fünftel der Bevölkerung ihre Prioritäten wieder politisch zurechtgerückt: raus aus der Kernkraft, schneller rein in die erneuerbaren Energien. Man war sich so einig „wie sonst nur bei der Fußball-WM“, wie damals einer schrieb. Christiane Grefes Rezension aus der Literaturbeilage der "Zeit".

Heute sind die Fronten schon wieder aufgebrochen – alte und neue. Die Opposition ruft Alarm, weil die Bundesregierung bei der Umsetzung der Energie- und Klimaschutzpläne schlafe. Ein grüner RWE-Manager erklärt mit großem Medienknall den Klimawandel für halb so wild. Der Wirtschaftsminister will der Photovoltaik den Boden unter den Füßen wegziehen, obwohl sie in Deutschland und weltweit doch gerade richtig in Schwung kommt. Oder bremst er genau deshalb?

 

Verwirrend, denken viele Bürger, und vor allem: Muss die Energiewende nun scheitern? Unser deutsches Mammutprojekt, bei dessen Manövern uns China, Japan, Frankreich, die USA und viele andere Nationen weltweit skeptisch, aber hoch gespannt zuschauen – meinen wir es damit selbst noch ernst? Auf dem Buchmarkt zumindest sieht es danach aus. Energie und Klimaschutz sind bei den politischen Büchern des Frühjahrs das große Thema.

 

Zunächst mal ganz informativ: Da kann man sich zum Beispiel von vier Technologieexperten schulbuchhaft nüchtern die Energien der Zukunft von Sonne bis Geothermie erklären und ihre Potenziale vorrechnen lassen, in einem Band, der mit Schaubildern und schönen Fotografien gespickt ist. Oder man lotet mit dem Journalisten Johannes Winterhagen auf Reisen durch Anlagen und Labors die Chancen und Nachteile vielfältiger Möglichkeiten eines künftigen CO2-armen Energiemixes aus. Der Technikerblick dieses Autors ist allerdings bei aller ausdrücklich beabsichtigten Unvoreingenommenheit oft soziologisch und politisch blind, wenn er die einzelnen Optionen bewertet.

 

Wer auch die Interessenlagen und Strukturen hinter den Auseinandersetzungen um die Energiewende verstehen will, der schlägt eher in Stromwechsel nach. Hannes Koch, Bernhard Pötter und Peter Unfried schildern in diesem Gemeinschaftswerk, wer den Umstieg auf eine effiziente und erneuerbare Energieversorgung „vorantreibt und wer sie hintertreibt“. Zugleich verdeutlichen die drei Umwelt- und Klimaexperten der taz, wie jetzt auch – Grün versus Grün – Ökos untereinander über den besten Weg in die klimafreundliche Zukunft streiten.

 

Das Ganze ist datengespickt, doch so anschaulich erzählt, dass es angenehm zu lesen ist. Die Autoren nehmen den Leser mit zum Wasserstoff-Hybridkraftwerk und zum Offshorewindpark, sie erklären, wie künftig das „Energie-Internet“ funktionieren kann, bei dem immer mehr Haushalte zu Stromnutzern, Stromspeichern und -anbietern gleichzeitig werden. Sie treffen Ministerialbeamte und Parlamentarier, Umweltschützer und Verbandsstrippenzieher, Konzernmanager und schwäbische CDU-Landräte, die jetzt den Atomkonzern EnBW ergrünen lassen sollen. Und sie besuchen Wutbürger, die gegen neue Stromtrassen vor ihrer Haustür streiten – und sich als informierte Kritiker entpuppen, die konstruktive Gegenvorschläge entwerfen.

 

Aus alldem schält das Trio dann die entscheidenden, noch ungelösten Konfliktfragen heraus. Wie viel Strom aus Sonne und Wind soll künftig zentral produziert und großflächig verteilt werden, wie viel dezentral an Ort und Stelle, damit die neue Netzlandschaft möglichst effizient und kostengünstig gestaltet wird?

 

Und: Wie viel Macht können die Stromriesen verteidigen gegen die wachsende Konkurrenz? Die mittelständisch oder bürgerschaftlich organisierten Anbieter von Wind- und Solarenergie machen schließlich fast ein Fünftel des Marktes aus, sind längst nicht mehr nur mit einem „Zehenwackeln“ abzutun, wie man vor 20 Jahren in den Konzernetagen lässig meinte. Kann sich also eine neue „Energiedemokratie“ durchsetzen, oder gelingt es den vier Großen, das Tempo der Energiewende ein weiteres Mal zu verzögern?

 

„Dinosaurier sterben langsam“, schreiben die drei Stromwechsel- Experten, und es ist unzweifelhaft, wem ihre Sympathien gelten, wenn „Bürger und Konzerne um die Energiewende kämpfen“. Das bringt auch Schwächen ihres Buches mit sich.

 

Wenn sie zum Beispiel die Pioniere der erneuerbaren Energien porträtieren, dann geht es fast ein wenig huldvoll zu, und man würde lieber mehr Konkretes über deren Unternehmensstrategien erfahren. Um die Tücken der umstrittenen Biomasse haben sich die Autoren ganz herumgedrückt.

 

Doch insgesamt liefern sie eine saubere Recherche, die allen Perspektiven Raum gibt. Über ihre Vorschläge, wie die Energiewende vorankommt, kann man dann trefflich streiten.

 

Dazu gehört ein Energieministerium, das dem Zuständigkeitswirrwarr im Kabinett ein Ende machen und so der Wende Rückenwind verschaffen solle. Die Autoren fordern zudem eine „Denk- und Konsumavantgarde“, die neue Lebensstile „zelebrieren“ solle.

Quelle:

Christiane Grefes Rezension aus der Literaturbeilage der "Zeit" 2012

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Zeit-Verlags - Danke schön!

 

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